Die Schreckensherrschaft von Saddam Husseins Söhnen, Uday und Qusay, ist nach zwei Jahrzehnten noch immer ein dunkles Kapitel irakischer Geschichte. Ihr gewaltsames Ende markierte das finale Kapitel einer Ära der systematischen Grausamkeit. Beide Männer, einst als Erben des Regimes aufgebaut, verkörperten und übertrafen teilweise die Brutalität ihres Vaters.
Uday Hussein, der ältere Sohn, etablierte sich früh als unberechenbarer Tyrann. Bereits mit 21 Jahren übernahm er das irakische Olympische Komitee und den Fußballverband. Seine Herrschaft dort war von Folter und Willkür geprägt. Sportler, die versagten, oder Journalisten, die kritisierten, wurden mit mittelalterlichen Methoden bestraft.
Seine bevorzugte Folter war das “Falaka”, das Auspeitschen der Fußsohlen. Die Folterkammer in seinem Hauptquartier enthielt eine Eisenjungfrau und ein elektrifiziertes Bett. Der irakische Fußballspieler Saheda wurde entführt und tagelang gefoltert, weil er krankheitsbedingt nicht spielen wollte. Sein Rücken wurde auf Beton aufgerissen.
Udays Gewalt kannte keine Grenzen. 1988 erschlug er im Rausch den Leibwächter seines Vaters, was zu seiner kurzzeitigen Inhaftierung führte. Er gründete die paramilitärische “Fedajin Saddam”, eine schwarz gekleidete Schlägertruppe. Berichte über seine Grausamkeiten sind entsetzlich, darunter das Bohren in Schädel mit einem Handbohrer.
Sein Umgang mit Frauen war besonders abscheulich. Er entführte, vergewaltigte und ermordete nach Belieben. Frauen versteckten sich in Toiletten, um seinem Blick zu entgehen. Eine Braut wurde direkt von ihrer Hochzeitsfeier verschleppt. Ein Attentat im Dezember 1996 ließ ihn schwer verletzt zurück, doch er überlebte und hinkte fortan.

Qusay Hussein, der jüngere Bruder, agierte im Schatten, aber nicht weniger gefährlich. 1988 wurde er stellvertretender Direktor des mächtigen Geheimdienstes “Al-Amn al-Am”. Dieser war für Schutz, Entführungen und Morde im Namen des Regimes zuständig. Bis 1992 stieg er zum Direktor auf.
Nach den gescheiterten Aufständen von 1991 soll Qusay die Zerstörung der irakischen Marschgebiete organisiert haben. Diese ökologische und kulturelle Katastrophe vertrieb Hunderttausende schiitische Araber. 1996 übernahm er den Vorsitz des Nationalen Sicherheitsrates und kontrollierte so alle Sicherheitsapparate.
Er überwachte die Finanzströme der Elite und hatte kompromittierende Informationen über jeden, auch seinen Bruder Uday. Während der Invasion 2003 gehörten beide zu den meistgesuchten Personen. Sie waren die Herz- und Kreuz-Ass im berüchtigten “Most-Wanted”-Kartenspiel der US-Truppen.

Auf der Flucht nach Syrien abgewiesen, suchten Uday, Qusay und Qusays 14-jähriger Sohn Mustafa Zuflucht in einer Villa in Mossul. Ein Informant verriet ihren Aufenthaltsort. Am 22. Juli 2003 umstellten US-Spezialkräfte und Soldaten der 101. Luftlandedivision das Anwesen.
Ein heftiges Feuergefecht entbrannte. Die Brüder leisteten erbitterten Widerstand aus dem oberen Stockwerk und verwundeten vier Angreifer. Verstärkung wurde herbeigerufen. Granatwerfer, schwere Maschinengewehre und Panzerabwehrraketen schlugen in die Villa ein. Selbst Hubschrauber griffen das Gebäude an.
Nach drei Stunden Kampf feuerte ein Kampfpanzer mehrere HEAT-Geschosse in die Villa. Der Widerstand brach zusammen. Beim Sturm fanden die Soldaten die Leichen von Uday und Qusay in einem Schlafzimmer. Qusays Sohn Mustafa feuerte weiter und wurde erschossen. Er war bis zum Tod befohlen worden.

Die Leichen wurden geborgen. Beide hatten ihre Gesichter durch Bärte verändert, Uday trug eine Glatze. Die Obduktion ergab bis zu 20 Treffer pro Körper. Ihre Gesichter mussten für die Identifikation rekonstruiert werden. Kontroverse Fotos der Toten wurden verbreitet, um ihren Tod zweifelsfrei zu belegen.
Ihre erneute Beisetzung erfolgte nahe dem Grab ihres Vaters Saddam, nach seiner Hinrichtung 2006. Ihr blutiges Ende beendete die Angst vor einer dynastischen Fortführung des Terrors. Beide hatten das irakische Volk durch offene Gewalt und ein lückenloses Spitzelsystem jahrelang terrorisiert.
Udays sadistische Willkür und Qusays kühle, bürokratische Unterdrückung ergänzten sich perfekt. Sie waren die logische Konsequenz des Systems, das ihr Vater errichtet hatte. Ihr Schicksal unterstreicht das brutale Erbe einer Familie, die ein ganzes Land in Geiselhaft nahm und es in die Katastrophe führte.