Was man dir über China im Zweiten Weltkrieg verschwiegen hat

Exklusiv: Die vergessenen 14 Jahre – Wie der Zweite Weltkrieg in Asien begann, während der Westen wegschaute

 

Während die Welt 1939 nach Europa blickte, lag ein Kontinent bereits in Trümmern. Der Zweite Weltkrieg begann nicht mit dem Überfall auf Polen, sondern am 18. September 1931 in der Mandschurei. Eine winzige Explosion auf einem Eisenbahngleis diente dem japanischen Kaiserreich als Vorwand für eine Invasion, die China für 14 lange Jahre in einen Abgrund des Terrors stürzte.

 

Die internationale Gemeinschaft reagierte mit beispielloser Gleichgültigkeit. Eingebunden in die Weltwirtschaftskrise und fokussiert auf den Aufstieg des Nationalsozialismus, blieben die Archive des Westens leer. Zeitungsseiten über die Ereignisse im Osten blieben weiß. Diese systematische Ignoranz schuf ein Vakuum, das Japan zur Expansion einlud.

 

Der Völkerbund verurteilte die Aggression 1933 lediglich auf dem Papier. Ohne Sanktionen oder Maßnahmen zementierte die Kaiserliche Armee ihre Herrschaft und installierte den Marionettenstaat Mandschukuo. Die westlichen Außenministerien ignorierten die Warnsignale und stuften Asien als regionalen Nebenschauplatz ab.

 

Die totale Eskalation folgte am 7. Juli 1937 an der Marco-Polo-Brücke bei Peking. Ein vermisster japanischer Soldat löste den flächendeckenden Krieg aus, zwei Jahre vor dem europäischen Kriegsbeginn. Die chinesische Nationalregierung unter Chiang Kai-shek, geschwächt durch interne Kämpfe gegen kommunistische Kräfte, ordnete nun den Widerstand an.

 

Die Schlacht um Shanghai offenbarte das grausame Ungleichgewicht der Kräfte. Chinesische Elitedivisionen, von deutschen Beratern ausgebildet, verteidigten die Metropole Stockwerk für Stockwerk gegen eine überlegene japanische Streitmacht. Nach drei Monaten Stadtkampf waren 200.000 chinesische Soldaten tot. Die Stadt war nur noch eine rauchende Ruinenlandschaft.

 

Der anschließende Vormarsch auf die damalige Hauptstadt Nanjing markierte den Höhepunkt der Gewalt. Im Dezember 1937 wurde die Stadt zur Falle. Nach dem Fall der Verteidigungslinien begann eine sechswöchige Orgie systematischer Gewalt. Schätzungsweise 200.000 bis 300.000 Zivilisten und entwaffnete Soldaten wurden ermordet.

 

Die Gräueltaten folgten einer industriellen Logik. Zehntausende Männer wurden in systematischen Chargen am Jangtse-Ufer exekutiert. Frauen wurden in Militärbordelle verschleppt und Opfer massenhafter Vergewaltigungen. Eine internationale Sicherheitszone, eingerichtet vom deutschen Siemens-Direktor John Rabe, bot nur begrenzten Schutz.

 

Parallel zur konventionellen Kriegsführung betrieb Japan ein Programm biologischer Vernichtung. Die berüchtigte Einheit 731 unter Dr. Shiro Ishii führte in der Mandschurei Menschenversuche durch. Gefangene wurden als “Maruta” (Baumstämme) dehumanisiert und mit Pest, Milzbrand und Cholera infiziert.

Ab 1940 setzte die kaiserliche Armee diese biologischen Waffen flächendeckend ein. Flugzeuge warfen pestinfizierte Flöhe über chinesischen Dörfern ab. Keramikbomben kontaminierten Trinkwasser und Ackerland. Die Opferzahlen sind bis heute nicht vollständig erfasst, die ökologischen Folgen wirken teils nach.

 

Während das Land blutete, blieb die versprochene Hilfe der Alliierten minimal. Nach dem Angriff auf Pearl Harbor war China logistisch abgeschnitten. Die berühmte “Hump”-Luftbrücke über den Himalaya war ein lebensgefährliches Unterfangen, das nur einen Bruchteil des benötigten Nachschubs lieferte.

 

Die strategische Priorität der USA und Großbritanniens lag eindeutig in Europa. China erhielt weniger als zwei Prozent des US-Leih- und Pachtmaterials. Der Konflikt zwischen US-General Joseph Stilwell und Chiang Kai-shek über Inkompetenz und Korruption lähmte die Zusammenarbeit zusätzlich.

 

Erst der sowjetische Einmarsch in die Mandschurei im August 1945 brachte die Wende. Die Rote Armee zerschlug in einer Blitzoffensive das industrielle Herz des japanischen Imperiums. Zusammen mit den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki zwang dies Japan zur Kapitulation.

 

Der Sieg hinterließ ein zerstörtes Land mit 15 bis 20 Millionen Toten und einer zerfetzten Infrastruktur. Die Übergabe japanischer Arsenale löste sofort den Kampf zwischen Nationalisten und Kommunisten aus. Das Machtvakuum mündete direkt in einen vierjährigen Bürgerkrieg.

 

Die Aufarbeitung der japanischen Verbrechen blieb lückenhaft. Beim Tokioter Prozess wurden nur Einzelne verurteilt. Schlüsselfiguren der Einheit 731 erhielten von den USA im Tausch für Forschungsdaten Immunität. Viele Täter machten in Politik, Pharma und Wissenschaft Karriere.

 

Eine offizielle, umfassende Entschuldigung der japanischen Regierung steht bis heute aus. Die 14 Jahre des Leidens, die dem europäischen Kriegsbeginn vorausgingen, sind im globalen Gedächtnis oft nur eine Fußnote. Diese Ignoranz war der Nährboden für das Grauen.