DIE SCHÖNE BESTIE VON BERGEN-BELSEN: WIE DREI FRAUEN ZU DEN GEFÜRCHTETSTEN HENKERINNEN DES DRITTEN REICHS WURDEN

April 1945.
Britische Panzer rollen durch das Tor von Bergen-Belsen — und selbst Soldaten, die die Hölle der Normandie überlebt hatten, brechen beim Anblick des Lagers zusammen.

13.000 Leichen liegen offen im Sonnenlicht.
60.000 halb verhungerte Menschen taumeln wie lebende Skelette zwischen Exkrementen, Typhus und verwesenden Körpern umher. Der Gestank des Todes hängt wie Gift in der Luft.

Doch mitten in diesem Inferno stehen drei Frauen mit perfekt sitzenden Uniformen und geschniegelt frisierter Erscheinung.

Irma Grese.
Elisabeth Volkenrath.
Johanna Bormann.

Keine Panik.
Keine Reue.
Keine Tränen.

Während um sie herum Tausende starben, wirkten die SS-Aufseherinnen erschreckend ruhig — als wäre Bergen-Belsen nur ein gewöhnlicher Arbeitsplatz.

Monate später endete ihr Weg am Galgen.

Doch wie konnten eine Friseurin, eine Landarbeiterin und eine ehemalige Missionarin zu einigen der brutalsten Frauen des Holocaust werden?

DIE „SCHÖNE BESTIE“ VON AUSCHWITZ

Unter ihnen ragte eine besonders heraus: Irma Grese.

Blondes Haar.
Blaue Augen.
Gerade einmal 22 Jahre alt.

Häftlinge nannten sie den „Engel des Todes“.

Mit 15 verließ sie die Schule ohne Abschluss. Nur wenige Jahre später kontrollierte sie das Leben von Zehntausenden Gefangenen in Auschwitz. Die SS brauchte keine Bildung — sie brauchte Gehorsam und Grausamkeit.

In Ravensbrück lernte Grese das Handwerk des Terrors.

„Gefangene sind keine Menschen, sondern Objekte“, lautete die Ideologie der Ausbildung. Gewalt war keine Ausnahme — sie war Vorschrift.

Ihre Reitpeitsche wurde speziell angefertigt.

Geflochtenes Leder, überzogen mit durchsichtigem Zellophan, damit Blut nicht daran haften blieb. Ein Wisch — und die Waffe war wieder sauber.

Überlebende berichteten später, Grese habe Frauen bewusstlos geprügelt und anschließend mit Stiefeln auf ihre Körper eingetreten.

Doch das war erst der Anfang.

Zeugen erzählten vor Gericht, sie habe gezielt schöne Frauen für die Gaskammer ausgewählt — aus purem Neid.

Andere berichteten, sie habe Hunde auf Gefangene gehetzt und dabei zugesehen, wie die Tiere Frauen zerfleischten — mit einem Ausdruck „reinen Vergnügens“ im Gesicht.

DIE FRAU MIT DEN HUNDEN

Johanna Bormann war älter als die anderen.

52 Jahre alt.
Ehemalige christliche Missionarin.
Tief religiös.

Doch ihr Glaube hielt sie nicht davon ab, Teil der Mordmaschine zu werden.

Die Häftlinge nannten sie nur noch:
„Die Frau mit den Hunden.“

Ihr Wolfshund war auf Angriff trainiert. Ein einziger Fingerzeig genügte — und das Tier stürzte sich auf halb verhungerte Frauen.

Zeugen beschrieben später, wie der Hund Fleisch von den Knochen riss, während Bormann die Szenen mit sichtbarer Genugtuung beobachtete. Mindestens zwei Frauen starben direkt durch die Bisse.

Eine Überlebende schilderte vor Gericht, wie Bormann zuerst zuschlug — und dann ihren Hund auf die Opfer hetzte.

„Das Tier verbiss sich im Bein meiner Freundin und schleifte sie über den Appellplatz.“

DAS LAGER, IN DEM MENSCHEN WIE TIERE STARBEN

Bergen-Belsen besaß keine Gaskammern wie Auschwitz.

Dort setzte die SS auf eine andere Methode: langsames Sterben.

Tausende Menschen wurden in Baracken gepfercht, die ursprünglich für 100 Personen gebaut waren — jetzt lebten dort bis zu 1000 gleichzeitig. Sie schliefen im Sitzen zwischen Schlamm, Kot und Leichen.

Sauberes Wasser existierte kaum.
Die Nahrung reichte nicht zum Überleben.
Typhus breitete sich aus wie Feuer.

Allein im März 1945 starben 18.000 Menschen.
600 Tote pro Tag.
25 Menschen pro Stunde.

Doch selbst als das Dritte Reich bereits zusammenbrach, hörte die Gewalt nicht auf.

Irma Grese zwang sterbende Frauen zu Dauerläufen und Kniebeugen — bei weniger als 600 Kalorien täglich. Wer zusammenbrach, blieb liegen und starb.

Eine Zeugin berichtete, Grese habe zwei Schwestern brutal zusammengeschlagen, weil sie Kartoffelschalen aus dem Müll gesucht hatten.

DER SCHOCKIERENDE MOMENT DER BEFREIUNG

Als britische Soldaten Bergen-Belsen erreichten, fanden sie keine gewöhnlichen Kriegsverbrecher vor.

Sie fanden Bürokraten des Todes.

Josef Kramer, der Kommandant des Lagers, versuchte bis zuletzt Ordnung zu halten. Während Leichenberge um ihn herum lagen, arbeiteten die SS-Aufseherinnen weiter wie Angestellte in einem Büro.

Irma Grese trug ihre Peitsche noch immer bei sich.

Als ein britischer Offizier eine Baracke betrat, soll sie sogar versucht haben, ihn anzugreifen. Sekunden später wurde sie überwältigt und verhaftet.

„ICH WERDE BERÜHMT WERDEN“

Im Prozess von Lüneburg zeigte keine der Frauen echte Reue.

Besonders Irma Grese lebte offenbar in einer Fantasiewelt.

Laut Ermittlern glaubte sie ernsthaft, ihre Geschichte werde sie berühmt machen. Während Überlebende von Folter und Mord berichteten, korrigierte sie seelenruhig ihre Uniform.

Als der Staatsanwalt sie auf die Hundeattacken ansprach, antwortete sie arrogant:

„Ich werde wohl besser wissen als Sie, ob ich einen Hund hatte oder nicht.“

Nur ein einziges Mal zeigte sie Emotionen:
als ihre eigene Schwester aussagte.

Nicht wegen der Opfer.
Sondern aus Selbstmitleid.

DER TAG DES GALGENS

  1. Dezember 1945.

Großbritannien schickte seinen berühmtesten Henker nach Deutschland: Albert Pierrepoint. Ein Mann, der Hinrichtungen in weniger als zehn Sekunden durchführen konnte.

Im Gefängnis von Hameln warteten die drei Frauen in ihren Zellen auf den Tod.

Sie hörten das metallische Knallen der Falltüren.
Sie hörten die Schritte der Wachen.
Sie wussten: Jede Minute brachte sie näher an den Galgen.

Berichte sprechen davon, dass die Frauen nachts Nazilieder sangen — und kurz darauf in Panik ausbrachen.

Um 9:34 Uhr begann die erste Exekution.

Elisabeth Volkenrath wurde mit Lederriemen gefesselt, bekam eine weiße Kapuze über den Kopf gezogen und verschwand durch die Falltür.

Dann kam Irma Grese.

Die einst gefürchtete „schöne Bestie“ zitterte plötzlich vor Angst. Augenzeugen berichteten von Schluchzen, Schreien und panischem Widerstand.

Kurz vor ihrem Tod rief sie dem Henker nur ein einziges Wort zu:

„Schnell!“

Wenige Sekunden später war sie tot.

Johanna Bormann folgte als Letzte. Die Frau, die jahrelang Hunde auf Häftlinge gehetzt hatte, brach auf dem Weg zum Galgen fast zusammen. Ihr Körper bebte unkontrolliert.

Innerhalb von weniger als sieben Stunden hängten die Briten 13 Nationalsozialisten.

DAS GRAUEN VERSCHWAND NICHT MIT DEM TOD

Doch die Geschichte endete nicht am Galgen.

Von etwa 4.000 weiblichen SS-Wachen wurden die meisten niemals verurteilt. Viele legten einfach ihre Uniformen ab, kehrten in ihre Heimatorte zurück und lebten jahrzehntelang unbehelligt weiter.

Sie wurden Lehrerinnen.
Hausfrauen.
Nachbarinnen.

90 Prozent aller weiblichen Lageraufseherinnen sahen nie einen Gerichtssaal von innen.

Heute erinnern in Bergen-Belsen Massengräber an mehr als 50.000 Tote.

Und die Geschichte der drei Frauen bleibt eine der verstörendsten Fragen des Zweiten Weltkriegs:

Wie konnten gewöhnliche Menschen zu willigen Werkzeugen des Grauens werden?