
- September 1946. Montalupich-Gefängnis in Krakau, Polen.
Im Gefängnishof steht ein eigens errichteter Galgen. Alles wurde speziell für diesen Moment vorbereitet. Ein 37-jähriger Mann steigt langsam die Holzstufen hinauf, die Hände auf dem Rücken gefesselt. Sein Name: Amon Leopold Göth – der SS-Kommandant, der tausende Menschen persönlich ermordete und später als Monster aus Schindlers Liste weltberühmt wurde.
Doch was an diesem Tag geschah, schockierte selbst die Zeugen der Hinrichtung.
Der Henker berechnete die Seillänge falsch. Nicht einmal. Zweimal.
Der erste Fall misslingt. Göths Genick bricht nicht. Er stirbt nicht sofort. Stattdessen hängt er röchelnd am Strick, ringt nach Luft und windet sich minutenlang unter den Augen der Zuschauer. Schließlich ziehen die Henker ihn wieder nach oben. Ein zweiter Versuch folgt. Wieder versagt die Konstruktion. Wieder erstickt Göth langsam, anstatt sofort zu sterben. Erst beim dritten Versuch endet sein Leben endgültig. Seine letzten Worte sollen gewesen sein: „Heil Hitler.“
Doch wer war dieser Mann wirklich?
Amon Göth wurde 1908 in Wien geboren – nicht in Armut oder Gewalt, sondern in einer wohlhabenden bürgerlichen Familie. Sein Vater war erfolgreicher Verleger. Göth erhielt eine gute Bildung, wuchs zwischen Büchern und Kultur auf. Nichts deutete darauf hin, dass er einmal zu einem der brutalsten Massenmörder des Holocaust werden würde.
Doch mit 17 Jahren schloss er sich der österreichischen NSDAP an. Später trat er der SS bei und machte schnell Karriere. Als überzeugter Nationalsozialist arbeitete er bald im besetzten Polen an der Organisation von Deportationen und Massenvernichtung. Er wurde Teil der „Aktion Reinhardt“, des gigantischen Vernichtungsprogramms, das Millionen Juden das Leben kostete.
1943 erhielt Göth das Kommando über das Konzentrationslager Płaszów bei Krakau.
Dort begann sein Terrorregime.
Er erklärte den Gefangenen gleich zu Beginn:
„Ich bin euer Gott.“
Und genau so verhielt er sich auch.
Überlebende beschrieben ihn als riesigen, einschüchternden Mann mit Peitsche und zwei abgerichteten Hunden, die Gefangene zerfleischen sollten. Göth ließ Menschen öffentlich aufhängen, erschoss Häftlinge für kleinste Fehler und prügelte Gefangene, bis ihnen die Zähne ausfielen. Einmal erschoss er einen Koch, weil die Suppe zu heiß gewesen sei. Ein anderes Mal tötete er einen Mann beim Morgenappell, weil dieser ihm „zu groß“ erschien. Anschließend urinierte Göth auf den Sterbenden.
Am berüchtigtsten war jedoch seine tägliche „Morgenroutine“.
Vom Balkon seiner Villa aus schoss Göth mit einem Gewehr wahllos auf Gefangene im Lager – einfach zum Vergnügen. Während andere Menschen frühstückten, trank Göth Kaffee und jagte Menschen wie Tiere. Überlebende berichteten später, dass jeder Blick auf ihn den sicheren Tod bedeuten konnte.
Besonders grausam verlief die Auflösung des Krakauer Ghettos im März 1943. Göth beaufsichtigte persönlich die Räumung. Alte Menschen, Frauen und Kinder wurden auf offener Straße erschossen oder direkt nach Auschwitz deportiert. Zeugen sagten später aus, dass Göth während dieser Aktion dutzende Kinder eigenhändig ermordete.
Während tausende Menschen verhungerten, lebte Göth luxuriös in seiner Villa oberhalb des Lagers. Er veranstaltete rauschende Partys für SS-Offiziere, trank teuren Wein und lebte mit seiner Geliebten zusammen – nur wenige Meter entfernt von Folter, Hunger und Massenmord.
Doch selbst der SS wurde Göth irgendwann zu brutal und korrupt.
1944 wurde er verhaftet – nicht wegen Mordes, sondern wegen Diebstahls jüdischen Eigentums und Korruption. Er hatte Gold, Geld und Lebensmittel gestohlen, die eigentlich an die SS gehen sollten. Kurz vor Kriegsende entging er jedoch einer internen SS-Verurteilung. Erst nach dem Zusammenbruch Deutschlands fiel er den Alliierten in die Hände.
Beim Prozess in Krakau sagten zahlreiche Überlebende gegen ihn aus. Sie berichteten von Erschießungen, Hundebissen, öffentlichen Hinrichtungen und sadistischen Folterungen. Göth zeigte keinerlei Reue. Er behauptete lediglich, Befehle ausgeführt zu haben. Das Gericht glaubte ihm nicht.
Am 5. September 1946 wurde das Urteil verkündet:
Tod durch den Strang.
Acht Tage später stand Göth selbst am Galgen.
Der Mann, der sich einst für einen Gott hielt, starb langsam und qualvoll an einem misslungenen Strick – beobachtet von Menschen, die jahrelang unter seinem Terror gelitten hatten. Seine Leiche wurde verbrannt, die Asche in die Weichsel gestreut. Kein Grab. Kein Denkmal. Nur ein Name, der für eines der dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte steht.