Hitlers Schwager, der mit seiner Frau schlief: Fegelein

Berlin, 28. April 1945 – In den letzten Stunden des Dritten Reiches, während die Rote Armee die Reichshauptstadt in Schutt und Asche legt, hat Adolf Hitler ein Exempel statuiert, das die tiefe Zerrüttung und Paranoia im Führerbunker offenbart. Hermann Fegelein, SS-Gruppenführer, Schwager des Diktators und einer der schillerndsten, aber auch brutalsten Figuren des NS-Regimes, wurde heute auf persönlichen Befehl Hitlers im Garten der Reichskanzlei standrechtlich erschossen. Der Mann, der einst Tausende von Zivilisten in Polen und der Sowjetunion ermorden ließ, um seine Karriere voranzutreiben, endete als feiger Verräter, der im Angesicht des Todes weinte und um Gnade bettelte.

 

Der Fall Fegelein ist mehr als nur eine Randnotiz der Geschichte. Er ist ein Sinnbild für den moralischen Verfall und die zynische Machtpolitik, die das nationalsozialistische System von Anfang an prägten. Geboren am 30. Oktober 1906 in Ansbach als Sohn eines ehemaligen Offiziers und Reitschulbetreibers, wuchs Hermann Fegelein in München auf. Die Instabilität der Weimarer Republik, geprägt von wirtschaftlichem Zusammenbruch und politischer Gewalt, formte seinen Charakter. Er war ehrgeizig, aber auch skrupellos. Bereits 1929 endete seine Karriere bei der bayerischen Landespolizei abrupt, als er beim Diebstahl von Prüfungsantworten ertappt wurde. Offiziell hieß es, er sei aus familiären Gründen ausgeschieden, doch in Wahrheit war er ein Betrüger, der sich später rühmte, den Dienst verlassen zu haben, um der NSDAP besser dienen zu können.

 

1930 trat er der Partei und der SA bei, wechselte aber 1933 zur SS, der Eliteorganisation Heinrich Himmlers. Hier fand Fegelein seine wahre Berufung. Die SS belohnte Loyalität, Ehrgeiz und vor allem Brutalität. Er übernahm die Reitschule seines Vaters und baute sie zu einem Zentrum der SS-Reiterausbildung aus. Sein Aufstieg war rasant, gestützt durch Himmlers Protektion, der in ihm einen loyalen, wenn auch moralisch bankrotten Untergebenen sah. Die Olympischen Spiele 1936 in Berlin nutzte Fegelein, um sich als fähiger Organisator zu präsentieren und Kontakte zu knüpfen. Doch hinter der Fassade des Sportlers und Kavalleristen verbarg sich ein Massenmörder.

 

Storyboard 3Der Zweite Weltkrieg begann am 1. September 1939 mit dem Überfall auf Polen. Fegelein erhielt das Kommando über die SS-Totenkopf-Reiterstandarte, eine berittene Einheit, die offiziell zur Aufrechterhaltung der Ordnung eingesetzt wurde. In Wirklichkeit wurde sie Teil eines Systems des Terrors, das darauf abzielte, die polnische Nation zu zerstören. Unter seinem Befehl wurden Lehrer, Priester, Ärzte und lokale Führungspersonen systematisch ermordet. Am 7. Dezember 1939 nahm seine Einheit an der Erschießung von etwa 1700 Menschen im Campinoswald teil. Die Opfer wurden an den Rand vorbereiteter Gruben getrieben und in Gruppen erschossen. Fegeleins Berichte sprachen von sauberen und anständigen Aktionen, doch die Realität sah anders aus. Seine Männer plünderten, töteten ohne Befehl und bereicherten sich an den Opfern. Es gab sogar Vorwürfe, dass Fegelein eine polnische Frau geschwängert und zu einer Abtreibung gezwungen hatte. Trotz schwerwiegender Anschuldigungen, die bis zu Reinhard Heydrich reichten, stellte Himmler alle Verfahren ein. Der Schutz durch den Reichsführer SS machte Fegelein unantastbar.

 

Nach den Feldzügen in Belgien und Frankreich, für die er das Eiserne Kreuz erhielt, wurde Fegelein an die Ostfront versetzt. Hier, im Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion, entfaltete sich sein wahres Potenzial. In den Pripjet-Sümpfen von Belarus und der Ukraine führte er sogenannte Partisanenbekämpfungsaktionen durch, die in Wahrheit systematische Massaker an Juden und Zivilisten waren. Himmlers Befehle waren klar: Jüdische Männer sollten erschossen, Frauen und Kinder in die Sümpfe getrieben und ertränkt werden. Als sich dies als undurchführbar erwies, wurden auch sie erschossen. Fegeleins Abschlussbericht über eine dieser Operationen verzeichnete rund 16.000 getötete Menschen, während die Verluste seiner eigenen Einheit bei 17 Toten, 36 Verwundeten und drei Vermissten lagen. Diese Zahlen sind der eindeutige Beweis dafür, dass es sich nicht um militärische Aktionen, sondern um industriellen Massenmord handelte. Bis zum Herbst 1943 ließ Fegelein Tausende weitere Menschen töten, bevor er schwer verwundet von der Front abgezogen wurde.

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Seine Verwundung wurde zu seinem Glück. Himmler versetzte ihn als Verbindungsoffizier zwischen SS und Hitler in das Führerhauptquartier. Fegelein, der sich stets anzupassen wusste, knüpfte gezielt Beziehungen, insbesondere zu Martin Bormann, Hitlers Privatsekretär. Er nahm an Trinkabenden teil und erklärte gegenüber Traudl Junge, Hitlers Sekretärin, dass nur seine Karriere und ein Leben voller Vergnügen von Bedeutung seien. Seine Heirat im Juni 1944 mit Gretel Braun, der Schwester von Eva Braun, war der Höhepunkt seiner sozialen Integration. Die Hochzeit symbolisierte seine Zugehörigkeit zu den höchsten Kreisen des NS-Regimes. Doch selbst in dieser Position blieb er umstritten. Albert Speer, Rüstungsminister, beschrieb ihn später als einen der widerwärtigsten Menschen in Hitlers Umfeld, einen Mann, der ausschließlich von Ehrgeiz und Eigennutz getrieben war. Es gab sogar Gerüchte, dass Fegelein eine Affäre mit Eva Braun selbst gehabt haben könnte, was die ohnehin angespannte Atmosphäre im Bunker weiter vergiftete.

 

Storyboard 1Am 20. Juli 1944 war Fegelein beim gescheiterten Attentat auf Hitler in der Wolfsschanze anwesend und erlitt eine leichte Verletzung. Nach der Welle von Verhaftungen und Hinrichtungen zeigte er stolz Fotografien der gehängten Verschwörer. Doch der Krieg war längst verloren. Anfang 1945 war die Lage des Dritten Reiches aussichtslos. Die Alliierten rückten von allen Seiten vor, und die Rote Armee schloss Berlin ein. Hitler zog sich in den Führerbunker zurück, wo er die letzte Schlacht des Krieges erlebte. Fegelein war in diesen letzten Wochen anwesend, doch seine Loyalität bröckelte. Am 27. April 1945, als sowjetische Truppen die Stadt umzingelten, verließ er seinen Posten. Er hatte beschlossen, nicht an einem Selbstmordpakt teilzunehmen. Stattdessen wurde er in seiner Wohnung in Zivilkleidung aufgefunden, im Begriff, nach Schweden oder in die Schweiz zu fliehen. Er trug Geld, Schmuck, darunter Gegenstände seiner Schwägerin Eva Braun, sowie Dokumente, die angeblich geheime Verhandlungen zwischen Himmler und den Westalliierten belegten. Er wurde verhaftet und in den Bunker zurückgebracht.

 

Zur gleichen Zeit erfuhr Hitler von Himmlers Verhandlungen mit den Alliierten, was er als Hochverrat betrachtete. Fegelein wurde mit diesem Verrat in Verbindung gebracht. Hitler ordnete an, ihn aller militärischen Ränge zu entheben, und nach kurzem Zögern befahl er ein Standgericht. Wilhelm Mohnke, einer der letzten verbliebenen Generäle, wurde mit der Durchführung beauftragt. Mohnke erinnerte sich später an die Szene: Brüllend betrunken, mit wild rollenden Augen, stellte Fegelein zunächst die Zuständigkeit des Gerichts in Frage. Er stammelte immer wieder, dass er nur Himmler verantwortlich sei und sonst niemandem, auch nicht Hitler. Er weigerte sich, sich zu verteidigen. Der Mann war in einem erbärmlichen Zustand. Er weinte, jammerte, brach sich und zitterte wie ein Espenblatt. Mohnke fügte hinzu, dass Hermann Fegelein während des Verfahrens sogar auf den Boden urinierte. Eva Braun flehte Hitler an, ihren Schwager zu verschonen, und argumentierte, dass ihre Schwester Gretel, Fegelins Ehefrau, sich im fortgeschrittenen Stadium der Schwangerschaft befand. Doch Hitler blieb unnachgiebig. Für ihn bedeutete Fegeleins Verhalten nichts anderes als Täuschung und Verrat.

 

Der 38-jährige Hermann Fegelein wurde am 28. April 1945 im Garten der Reichskanzlei erschossen. Laut Traudl Junge wurde er wie ein Hund erschossen. Einen Tag später heiratete Hitler Eva Braun, und am folgenden Tag, dem 30. April 1945, begingen beide Selbstmord. Der Tod Fegeleins ist ein letztes, grausames Kapitel in der Geschichte eines Mannes, der seine Karriere auf Leichen aufbaute. Er war kein Ideologe, sondern ein Opportunist, der die Mechanismen des Terrors für seinen persönlichen Aufstieg nutzte. Seine Taten in Polen und der Sowjetunion, die Massenerschießungen von Zivilisten, die Plünderungen und die Korruption, all das wurde von Himmler gedeckt, solange es dem System diente. Erst als das System zusammenbrach und Fegelein sich als untreu erwies, wurde er fallengelassen. Sein Ende im Garten der Reichskanzlei, umgeben von den Trümmern des Dritten Reiches, ist die ultimative Ironie der Geschichte. Der Mann, der Tausende in den Tod schickte, starb selbst als Feigling, der um sein Leben winselte. Die Weltgeschichte hat ihn als Hitlers Schwager und Verräter in Erinnerung behalten, doch die Wahrheit ist weitaus düsterer. Hermann Fegelein war ein Massenmörder, dessen Verbrechen erst durch den Untergang des Regimes, dem er diente, ans Licht kamen. Sein Tod ist eine Mahnung an die Abgründe menschlicher Moral, wenn Ehrgeiz und Macht keine Grenzen kennen.