DIE „HITLERJUGEND-KINDER, DIE DIE AMERIKANER ERSCHOSSEN“ — WIE DAS DRITTE REICH TEENAGER IN KILLER VERWANDELTE… UND SIE DANN ZUM STERBEN ZURÜCKLIESS

 

  1. Juni 1945.
    Braunschweig.
    Ein Sandsteinbruch am Stadtrand.

Der Krieg in Europa ist seit vier Wochen vorbei.

Deutschland hat kapituliert.

Doch für Heinz Petri endet der Krieg erst jetzt.

Er ist 16 Jahre alt.

Ein Schuljunge.

Und an diesem Morgen wird er an einen Holzpfahl gebunden wie ein verurteilter Schwerverbrecher.

Seine Hände sind hinter dem Rücken gefesselt.

Die Seile schneiden tief in die Handgelenke.

Die Jacke an seinem Körper ist viel zu groß für seine schmalen Schultern.

Ein amerikanischer Militärpolizist tritt vor und bindet ihm ein weißes Tuch über die Augen.

Wenige Meter entfernt wartet Josef Schöner.

17 Jahre alt.

Er weiß:

Er ist der Nächste.

DIE KINDER, DIE ALS „SPIONE“ STARBEN

Die Anklage lautete:

Spionage.

Nach damaligem Kriegsrecht bedeutete das:

Tod durch Erschießen.

Petri und Schöner waren von amerikanischen Soldaten in einem Erdloch hinter der Front entdeckt worden.

Zivilkleidung.

Notizen über Truppenbewegungen.

Keine Uniform.

Damit galten sie nicht als reguläre Kriegsgefangene — sondern als illegale Spione.

Das Urteil fiel schnell.

Ohne große Öffentlichkeit.

Ohne lange Verteidigung.

ACHT GEWEHRE GEGEN EINEN 16-JÄHRIGEN

Das Erschießungskommando geht in Stellung.

Acht amerikanische Soldaten heben gleichzeitig ihre Gewehre.

Das metallische Klicken der Verschlüsse ist das letzte Geräusch, das Heinz Petri hört.

Dann zerreißt ein einziger synchroner Knall die Luft.

Die Kugeln schlagen durch Holz und Körper.

Der Junge sackt zusammen.

Nur die Seile verhindern, dass er zu Boden fällt.

Wenige Minuten später stirbt auch Josef Schöner.

Zwei Teenager.

Zwei Hinrichtungen.

DIE „JUNGEN WÖLFE“ DER WAFFEN-SS

Ein Jahr zuvor waren diese Jugendlichen keine Opfer gewesen.

Sie waren Teil einer fanatischen Kriegsmaschine.

Alliierte Soldaten nannten sie:

„Junge Wölfe.“

16- und 17-Jährige der 12. SS-Panzerdivision „Hitlerjugend“.

Kinder mit Panzerfäusten.

Kinder mit Maschinengewehren.

Kinder, die ohne Deckung auf alliierte Panzer zuliefen.

Britische und kanadische Veteranen beschrieben später ihre Fassungslosigkeit über die Brutalität dieser Teenager.

Kein Zögern.

Keine Angst.

Nur fanatischer Angriffswille.

DIE DIVISION AUS SCHULJUNGEN

1943 befahl die NS-Führung die Aufstellung der 12. SS-Panzerdivision „Hitlerjugend“.

Rund 20.000 Mann.

Fast alle aus dem Jahrgang 1926.

Die Offiziere waren kampferprobte SS-Veteranen der Ostfront.

Die Mannschaften bestanden aus Jugendlichen.

65 Prozent der Soldaten im ersten Bataillon waren minderjährig.

Viele hatten nie ein normales Erwachsenenleben erlebt.

Sie kannten nur:

  • Hitlerjugend
  • Propaganda
  • Waffenunterricht
  • Marschieren
  • Gehorsam

DIE FABRIK FÜR KINDERSOLDATEN

Das System begann nicht an der Front.

Es begann im Klassenzimmer.

Nach 1933 zerstörte das Regime systematisch jede unabhängige Jugendorganisation.

Pfadfinder verschwanden.

Kirchliche Gruppen wurden verboten.

Kommunistische Jugendvereine zerschlagen.

Die Hitlerjugend erhielt das Monopol auf die deutsche Kindheit.

Die Jungen lernten früh:

  • Hitler sei Deutschlands Retter
  • Opferbereitschaft sei Ehre
  • Mitleid sei Schwäche
  • Feinde müssten vernichtet werden

Hass wurde Teil des Unterrichts.

ZEHNJÄHRIGE MIT WAFFEN

Bereits 1938 absolvierten Hunderttausende Jungen Schießausbildungen.

Sie warfen Übungshandgranaten.

Lernten Karabiner zu bedienen.

Trugen Uniformen.

Viele fühlten sich wie Teil eines großen Abenteuers.

Tatsächlich wurden sie zu Soldaten erzogen, lange bevor der Krieg sie brauchte.

STALINGRAD VERÄNDERTE ALLES

Nach der Katastrophe von Stalingrad fehlten Deutschland hunderttausende Soldaten.

Die Antwort der NS-Führung:

Kinder an die Front.

Schulen verwandelten sich in Vorbereitungslager.

16-Jährige erhielten Maschinengewehre.

15-Jährige Panzerfäuste.

Teilweise dauerte die Ausbildung nur wenige Stunden.

Dann wurden die Jugendlichen direkt in den Krieg geschickt.

DIE MASSAKER AN KANADISCHEN KRIEGSGEFANGENEN

Die Division „Hitlerjugend“ kämpfte nicht nur fanatisch.

Sie war auch an Kriegsverbrechen beteiligt.

Während der Kämpfe in der Normandie wurden mindestens 156 kanadische Kriegsgefangene ermordet.

Einige erschossen.

Andere mit Bajonetten getötet.

Manche von Panzern überrollt.

Im Garten der Abtei Ardenne wurden kanadische Gefangene einzeln abgeführt und erschossen.

Die Täter waren oft Jugendliche.

Die Befehle kamen von erfahrenen SS-Offizieren.

„MITLEID IST VERRAT“

Divisionskommandeur Kurt Meyer rechtfertigte die Brutalität offen.

Seine Botschaft an die Jugendlichen:

„Mitleid ist Verrat am Vaterland.“

Die Jungen lernten, dass Grausamkeit Pflicht sei.

Und dass der Tod für Deutschland die höchste Form der Ehre bedeute.

DER VOLKSSTURM — KINDER ALS LETZTE RESERVE

Ende 1944 kollabierte die Front endgültig.

Die NS-Führung schuf den Volkssturm.

Offiziell sollten Männer zwischen 16 und 60 kämpfen.

In Wirklichkeit griff das Regime inzwischen sogar nach Zwölfjährigen.

Kinder wurden mit Panzerabwehrwaffen ausgebildet.

Manche waren so klein, dass Ausbilder ihnen helfen mussten, den Abzug zu erreichen.

DIE KINDER, DIE DIE EIGENE SS ERSCHOSS

Wer desertierte oder fliehen wollte, lebte gefährlich.

SS-Exekutionskommandos jagten Jugendliche, die ihre Waffen wegwarfen.

Zahlreiche Dokumente belegen standrechtliche Erschießungen eigener Hitlerjugend-Mitglieder durch deutsche Einheiten.

Die Kinder wurden zuerst in den Krieg geschickt…

…und anschließend von der eigenen Seite getötet, wenn sie Angst bekamen.

BERLIN 1945 — DAS REICH OPFERT SEINE KINDER

Im April 1945 brannte Berlin.

Zwischen Trümmern und brennenden Fahrzeugen standen Jungen von 14 oder 15 Jahren mit Panzerfäusten an Barrikaden.

Eine Zeugin berichtete später, wie SS-Männer einen jugendlichen Deserteur an eine Barrikade stießen und erschossen.

Der Junge war kaum älter als ein Schulkind.

Die Kugel kam nicht vom Feind.

Sondern von den eigenen Leuten.

DIE „WERWÖLFE“ IM UNTERGRUND

Während Deutschland zusammenbrach, plante die NS-Führung bereits einen Untergrundkrieg.

Die sogenannten „Werwolf“-Gruppen sollten Sabotage und Spionage hinter alliierten Linien durchführen.

Viele Mitglieder waren Jugendliche der Hitlerjugend.

In Zivilkleidung.

Ohne Rangabzeichen.

Perfekt geeignet, um unauffällig zu wirken.

Doch genau das machte sie nach Kriegsrecht zu illegalen Kämpfern.

WAR DIE HINRICHTUNG LEGAL?

Juristisch lautete die Antwort damals:

Ja.

Nach dem damaligen Kriegsrecht galten Spione ohne Uniform nicht als reguläre Kombattanten.

Sie konnten standrechtlich erschossen werden.

Und Heinz Petri sowie Josef Schöner hatten die Altersgrenze von 15 Jahren überschritten, die im damaligen Rechtssystem relevant war.

Doch moralisch blieb die Situation verstörend.

Denn die beiden Jugendlichen waren Produkte eines Systems, das sie seit ihrer Kindheit ideologisch geformt hatte.

DIE GENERÄLE ÜBERLEBTEN — DIE KINDER STARBEN

Das Bitterste kam nach dem Krieg.

Viele Architekten des Systems überlebten.

Kurt Meyer — verantwortlich für die Ermordung kanadischer Kriegsgefangener — wurde zwar zum Tode verurteilt, erhielt später jedoch Haftumwandlung und kam 1954 frei.

Die Jugendlichen hingegen starben vor Erschießungskommandos.

Nicht die Männer, die die Gehirnwäsche organisiert hatten.

Nicht die Politiker.

Nicht die Propagandisten.

Sondern oft die Kinder selbst.

DIE SECHS GRÄBER BEI BRAUNSCHWEIG

Noch Wochen nach Kriegsende krachten in den Besatzungszonen Gewehrsalven.

Weitere junge Deutsche wurden wegen Spionage oder Sabotage hingerichtet.

Heute erinnern nur wenige Dokumente und namenlose Gräber an diese letzten Tage.

Gräber von Jugendlichen, die zuerst zu fanatischen Werkzeugen eines sterbenden Regimes gemacht wurden…

…und anschließend im Schatten des Friedens erschossen wurden.