
Juli 1944.
Im Führerhauptquartier Wolfsschanze erschüttert eine Explosion den Besprechungsraum Adolf Hitlers. Deutsche Offiziere haben versucht, den Diktator mit einer Bombe zu töten. Doch Hitler überlebt knapp. Noch am selben Tag beginnt eine gnadenlose Jagd auf alle Beteiligten und Verdächtigen.
Mitten in dieser Verfolgungswelle steht ein Mann im Zentrum der Aufmerksamkeit:
Generaloberst Erich Hoepner.
Einst galt er als einer der wichtigsten Strategen der deutschen Panzerwaffe. Er kommandierte hunderttausende Soldaten und war maßgeblich am Blitzkrieg beteiligt, der Europa erschütterte. Doch am Ende wurde genau dieser General vom NS-Regime selbst vernichtet.
Geboren 1886 in Frankfurt an der Oder, stammt Hoepner aus gutbürgerlichen Verhältnissen. Nach seiner Ausbildung an Elite-Schulen und der preußischen Kriegsakademie kämpft er im Ersten Weltkrieg an der Westfront und erhält beide Klassen des Eisernen Kreuzes. Nach Kriegsende bleibt er in der Reichswehr – trotz der drastischen Verkleinerung der deutschen Armee durch den Versailler Vertrag.
Mit Hitlers Machtübernahme beginnt sein steiler Aufstieg.
1938 übernimmt Hoepner moderne Panzerverbände und wird Teil der militärischen Elite des Dritten Reiches. Beim Überfall auf Polen 1939 führen seine Einheiten einen rasanten Vormarsch durch. Seine Panzer legen innerhalb von nur 80 Stunden über 230 Kilometer zurück – ein Symbol für den deutschen Blitzkrieg.
Auch beim Westfeldzug gegen Frankreich, Belgien und die Niederlande spielt Hoepner eine entscheidende Rolle.
Doch dort beginnt sein Konflikt mit der Waffen-SS. Während der Kämpfe wird seinem Korps die berüchtigte SS-Division Totenkopf unterstellt. Hoepner erhält Berichte über Misshandlungen von Kriegsgefangenen und reagiert ungewöhnlich scharf. Er droht Soldaten mit Kriegsgerichten, falls sie Gefangene misshandeln.
Kurz darauf geschieht das Massaker von Le Paradis.
Soldaten der SS-Division Totenkopf erschießen fast hundert britische Kriegsgefangene, obwohl diese sich bereits ergeben hatten. Hoepner fordert daraufhin Ermittlungen gegen den SS-Kommandeur Theodor Eicke und verlangt dessen Absetzung. Doch Heinrich Himmler schützt die SS – Konsequenzen gibt es keine. Hoepner bezeichnet Eicke später offen als „Metzger“.
Trotzdem bleibt Hoepner Teil der deutschen Kriegsführung.
1941 erhält er das Kommando über die 4. Panzergruppe beim Angriff auf die Sowjetunion. In seinen Befehlen spricht er vom „Kampf gegen den jüdischen Bolschewismus“ und fordert eine Kriegführung mit „beispielloser Härte“. Unter seinem Kommando werden sowjetische Politkommissare erschossen – ein klarer Verstoß gegen das Völkerrecht.
Doch der Krieg im Osten entwickelt sich zur Katastrophe.
Vor Moskau bleiben deutsche Panzer im Schlamm und später im eisigen Winter stecken. Temperaturen von minus 30 Grad, fehlender Nachschub und massive sowjetische Gegenangriffe zerstören die deutschen Offensiven. Hoepner erkennt, dass seine Soldaten sinnlos sterben.
Als Hitler befiehlt, keinen Meter Boden aufzugeben, widersetzt sich Hoepner.
Er ordnet den Rückzug seiner Truppen an und erklärt:
„Ich habe Pflichten, die höher stehen als die gegenüber dem Führer – die Pflicht gegenüber den mir anvertrauten Truppen.“
Für Hitler ist das Verrat.
Hoepner wird sofort aus der Wehrmacht entlassen. Rang, Orden und Pension werden ihm aberkannt. Man verbietet ihm sogar das Tragen seiner Uniform. Trotzdem klagt Hoepner später erfolgreich gegen den Entzug seiner Pension – ein ungewöhnlicher Vorgang im Dritten Reich.
Doch nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 gerät er endgültig ins Visier des Regimes.
Hoepner unterstützt die Verschwörer um Claus von Stauffenberg und soll nach einem erfolgreichen Umsturz eine führende militärische Position übernehmen. Als das Attentat scheitert, stürmt die Gestapo am nächsten Morgen sein Haus. Man bietet ihm die Möglichkeit zum Selbstmord an – doch Hoepner lehnt ab und verlangt einen Prozess.
Vor dem Volksgerichtshof wird er gezielt gedemütigt.
Der fanatische Richter Roland Freisler beschimpft ihn öffentlich. Hoepner darf keine Uniform tragen, man nimmt ihm Gürtel, Krawatte und sogar die dritten Zähne weg, damit er schwach und lächerlich wirkt. Seine Kleidung hängt lose an seinem Körper. Die gesamte Inszenierung soll ihn brechen.
Auch seine Familie wird bestraft.
Frau, Tochter, Sohn und weitere Angehörige werden in sogenannte Sippenhaft genommen. Familienmitglieder landen in Konzentrationslagern wie Ravensbrück und Buchenwald.
Am 8. August 1944 fällt das Urteil:
Tod durch den Strang.
Noch am selben Tag wird Hoepner im Gefängnis Berlin-Plötzensee hingerichtet. Im Hinrichtungsraum hängen Fleischerhaken von der Decke. Hitler persönlich befiehlt, die Verschwörer sollten „wie Schlachtvieh“ sterben.
Hoepner wird mit einer dünnen Hanfkordel aufgehängt.
Der Strick bricht ihm nicht das Genick. Stattdessen erstickt er langsam und qualvoll. Der Todeskampf dauert Berichten zufolge viele Minuten. Hitler lässt die Hinrichtungen filmen, um sie sich privat anzusehen.
So endet das Leben eines Generalobersts, der einst zu den mächtigsten Militärführern Deutschlands gehörte – vernichtet von genau dem Regime, dem er jahrelang gedient hatte.