Hinrichtung des Ustaša-Kommandanten von Jasenovac: Kindermörder Ljubo Miloš

Zagreb, 20. August 1948 – Die Welt atmet auf, doch die Wunden klaffen noch immer tief. Heute Vormittag wurde in der kroatischen Hauptstadt Zagreb ein Mann gehängt, dessen Name zum Synonym für das absolut Böse geworden ist: Ljubo Miloš, der ehemalige Kommandant des Konzentrationslagers Jasenovac. Der Henker vollstreckte das Urteil des Obersten Gerichts der Volksrepublik Kroatien, das Miloš nur wenige Stunden zuvor wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tode verurteilt hatte. Der 29-Jährige, einst ein fanatischer Ustaša-Funktionär, starb ohne einen Hauch von Reue, so Augenzeugen. Seine Hinrichtung markiert das Ende einer der blutigsten Karrieren in der Geschichte des Zweiten Weltkriegs auf dem Balkan, doch die Erinnerung an seine Taten wird die Überlebenden und die Familien der Opfer für immer verfolgen.

 

Ljubo Miloš, geboren am 25. Februar 1919 in Bosanski Šamac, war kein geborener Mörder, aber er wurde zu einem der brutalsten Vollstrecker der faschistischen Ustaša-Ideologie. Seine Karriere begann im Schatten des Krieges. Am 6. April 1941, als die deutsche Luftwaffe unter dem Codenamen „Unternehmen Strafgericht“ Belgrad in Schutt und Asche legte, begann der Überfall auf Jugoslawien. Hitler, der das Land als Bedrohung für seine Südflanke beim geplanten Angriff auf die Sowjetunion sah, ließ innerhalb von nur elf Tagen 19 Divisionen, unterstützt von italienischen, ungarischen und bulgarischen Einheiten, das Königreich überrollen. Noch vor der offiziellen Kapitulation der jugoslawischen Armee am 17. April 1941, billigten die Achsenmächte am 10. April die Ausrufung des sogenannten Unabhängigen Staates Kroatien durch die radikal nationalistische, faschistische und terroristische Ustaša-Organisation. Dies war der Startschuss für ein beispielloses Blutbad.

 

Die Ustaša, angeführt von Ante Pavelić, errichtete sofort ein Regime des totalen Terrors. Ihr Ziel war die Schaffung eines ethnisch reinen kroatischen Staates. Juden, Serben, Roma und alle politischen Gegner, einschließlich kroatischer Kommunisten und Demokraten, wurden zu Feinden erklärt. In ganz Kroatien schossen Konzentrationslager aus dem Boden, das größte und berüchtigtste war Jasenovac, etwa 100 Kilometer südöstlich von Zagreb. Es wurde zum drittgrößten Vernichtungslager Europas, nach Auschwitz und Treblinka, und war ein Ort, an dem die menschliche Kreatur auf ein Niveau der Barbarei reduziert wurde, das selbst die deutschen Nazis erschaudern ließ. Die Schätzungen der Opferzahlen schwanken zwischen 77.000 und 100.000, aber viele Historiker gehen von weit höheren Zahlen aus, möglicherweise bis zu 300.000 Serben, Juden und Roma, die hier ihr Ende fanden.

 

Ljubo Miloš tauchte im Juni 1941 in Zagreb auf, frisch aus seiner Heimat Bosnien. Sein Aufstieg in der Hierarchie des Todes war rasant und direkt mit seinem Cousin ersten Grades verbunden: Vjekoslav Luburić, der Kommandant des gesamten Ustaša-Lagersystems. Luburić, ein fanatischer Serbenhasser, machte Miloš zu seinem engsten Vertrauten und verschaffte ihm eine Position im Ustaša-Überwachungsdienst, der für den Betrieb von Jasenovac verantwortlich war. Im Oktober 1941, nur wenige Monate nach seiner Ankunft, wurde Miloš zum Kommandanten des Lagers ernannt und zum Leutnant befördert. Er war gerade einmal 22 Jahre alt. Die Zustände, die er dort vorfand und die er noch verschlimmerte, waren unbeschreiblich.

 

Die Gefangenen in Jasenovac erhielten kaum Nahrung, die Unterkünfte waren überfüllt und unhygienisch, und die sanitären Einrichtungen existierten praktisch nicht. Aber das war nur die Kulisse. Das eigentliche Grauen war die sadistische Willkür der Wachen, die unter der Führung von Miloš und anderen Kommandanten einen Wettbewerb daraus machten, wer die meisten Häftlinge foltern und töten konnte. Miloš selbst trug oft einen weißen Kittel, um sich als Arzt auszugeben. Er ließ kranke Häftlinge, die sich für den Krankentrakt meldeten, an einer Wand aufstellen und schnitt ihnen dann mit einem großen Schlachtermesser die Kehle durch. Dieses Messer, das er „Srbosjek“ – Serbenschneider – nannte, wurde zum Symbol seiner Grausamkeit. Ein Überlebender, Dragan Roller, der als Mitglied der jugoslawischen kommunistischen Jugendbewegung drei Jahre in Jasenovac verbrachte, berichtete, wie Miloš einem Häftling die Kehle aufschlitzte, nur weil dieser Essensreste aus einem Mülleimer gegessen hatte.

 

Die Massenhinrichtungen begannen im November und Dezember 1941 in mehreren Wellen, die sich gezielt gegen serbische Häftlinge richteten. Um Munition zu sparen, verwendeten Miloš und seine Aufseher nicht nur Pistolen, sondern auch Äxte und Hämmer. Die Opfer waren krank, geschwächt und arbeitsunfähig – sie wurden auf Befehl von Luburić, dem Cousin von Miloš, systematisch liquidiert. In seinem späteren Geständnis vor Gericht schilderte Miloš die Ankunft der Transporte: „Die Menschen kamen mit dem Zug oder zu Fuß. Es waren Kinder und Frauen, mehrere Zehntausend. Als sie ankamen, mussten sie gefesselt zum Lager laufen und sich vor dem Eingang hinsetzen. Sie wurden dort bis zum Abend festgehalten. Dann liquidierte sie der Meister Miroslav Filipović, ein ehemaliger Franziskaner und katholischer Priester, der wegen seiner Fähigkeit zu töten diesen Spitznamen trug. Die Massaker fanden meist nachts statt. Ich erinnere mich, dass mehrmals am Tag Gruppen von über 100 Internierten getötet wurden. Nachts erreichten die Zahlen über 1500. Der Zustrom von Internierten nahm ständig zu, mehrmals pro Woche, manchmal täglich. Da die Transporte der Menschen, die zur Liquidation bestimmt waren, nirgends registriert wurden, ist es unmöglich, die Zahl der Ermordeten zu kennen. Doch diese Zahl war riesig.“

 

Ein weiterer Überlebender, Milan Flumiani, erinnerte sich an seine Ankunft im Lager: „Kaum waren wir in Jasenovac angekommen, schlugen uns die Ustaša mit Gewehrkolben und brachten uns in die Ziegelfabrik, wo Ljubo Miloš bereits zwei Gruppen aufgestellt hatte, während wir als dritte Gruppe dazu kamen. Ein Wachmann namens Malić fragte Ljubo Miloš: ‚Auf wen soll ich zuerst zielen?‘ Und Miloš antwortete: ‚Dort, wo es mehr von ihnen gibt.‘ Dann richteten beide ihre Maschinengewehre auf die 40 Männer der ersten beiden Gruppen und erschossen sie alle. Danach fragte er den ersten Mann aus unserer Gruppe, warum er hier sei. Als dieser antwortete, er sei schuldig, weil er als Serbe geboren wurde, erschoss ihn Miloš auf der Stelle. Dann wählte er einen Anwalt aus Zagreb namens Laufer aus, fragte ihn, was er sei, und als dieser antwortete, sagte Miloš: ‚Ich mag Anwälte sehr, komm näher.‘ und tötete ihn sofort.“ Diese Zeugenaussagen malen ein Bild von einem Mann, der nicht nur tötete, sondern den Akt des Tötens zelebrierte.

Die Grausamkeit von Miloš kannte keine Grenzen. Im Sommer 1942 wurden Tausende serbische Kinder aus dem Unterlager Stara Gradiška herausgebracht und am rechten Ufer der Save ermordet. Um Munition zu sparen, töteten kroatische Soldaten die Kinder mit Hämmern, eine Methode, die sie „Hämmern“ nannten. Kleine Kinder starben sofort. Ältere wurden an der Massengrube mit kleineren Hämmern erschlagen, was keinen sofortigen Tod verursachte, sondern einen qualvollen. All dies geschah absichtlich, denn von Anfang an befolgten alle Lager, einschließlich Jasenovac, den Befehl des Ustaša-Führers Ante Pavelić, der lautete: „Das Opfer soll so lange wie möglich sterben.“ Miloš hielt sich sklavisch an diesen Befehl. Er trainierte auch einen Wolfshund darauf, Häftlinge anzugreifen und zu zerfleischen, eine weitere Methode der Terrorisierung.

 

Während seiner Zeit als Kommandant war Miloš persönlich für die Sicherheit des kroatischen Politikers Vladko Maček verantwortlich, der vom 15. Oktober 1941 bis zum 15. März 1942 in Jasenovac inhaftiert war. Maček, ein gemäßigter Politiker, der sich gegen die Ustaša stellte, bekreuzigte sich jedes Mal, wenn er Miloš sah, und fragte ihn einmal, ob er Gottes Strafe für die Gräueltaten im Lager fürchte. Miloš antwortete kalt: „Sag mir nichts, ich weiß, dass ich in der Hölle brennen werde für das, was ich getan habe, aber ich werde für Kroatien brennen.“ Diese Aussage offenbart die tiefe ideologische Verblendung eines Mannes, der seine Verbrechen als patriotischen Akt betrachtete.

 

Im Sommer 1942 reiste Miloš nach Italien, um in Turin einen Kurs für Polizeiwesen zu absolvieren, kehrte jedoch nach nur zehn Tagen in den Unabhängigen Staat Kroatien zurück. Im September kehrte er nach Jasenovac zurück und übernahm die Funktion des stellvertretenden Lagerkommandanten. Im Oktober 1942 überfielen Truppen unter seinem Befehl mehrere Dörfer in der Nähe von Jasenovac, plünderten unzählige Häuser, verhafteten Hunderte serbische Bauern und deportierten sie in die Lager. Im Januar 1943 trat er der kroatischen Heimwehr bei und wurde in der Stadt Mostar stationiert. Im April 1943 kehrte er nach Zagreb zurück, wo er bis zum Frühjahr des folgenden Jahres blieb. Im September 1944 wurde er zum Kommandanten des Gefängnisses Lepoglava ernannt. Ein Zeuge, Danon Jakob, berichtete über die Ermordung neu eingelieferter Gefangener am Weihnachtstag 1944: „Sie wurden mit einem Bajonett zu Ljubo Miloš gestoßen. Ihre Hände waren hinter dem Rücken gefesselt. Jeden einzelnen stach Miloš mit einem kräftigen Schwung eines großen Schlachtermessers nieder und schnitt ihnen die Kehle durch.“ Selbst in den letzten Kriegsmonaten, als die Niederlage der Achsenmächte bereits absehbar war, setzte Miloš seine mörderische Tätigkeit fort.

 

Ende des Zweiten Weltkriegs hatte Miloš den Rang eines Majors erreicht. Anfang Mai 1945, als die jugoslawischen Partisanen unter Josip Broz Tito Zagreb einnahmen, floh er aus dem Land. Seine Flucht führte ihn über Österreich nach Norditalien, das inzwischen von den Alliierten kontrolliert wurde. Doch bald kehrte er nach Österreich zurück und nahm Kontakt zu kroatischen Emigranten auf, die von einer Wiederbelebung des Ustaša-Staates träumten. Im Jahr 1947 überquerte er illegal die jugoslawisch-österreichische Grenze mit dem Ziel, gemeinsam mit antikommunistischen Partisanen, den sogenannten „Križari“ (Kreuzrittern), nach Kroatien einzudringen und einen Aufstand gegen das neue kommunistische Regime zu entfachen. Der Plan scheiterte jedoch kläglich. Am 20. Juli 1947 wurde Ljubo Miloš von den jugoslawischen Behörden verhaftet. Seine Flucht war vorbei.

 

Der Prozess gegen Miloš begann 1948 vor dem Obersten Gericht der Volksrepublik Kroatien in Zagreb. Die Anklage lautete auf Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord. Während des Verfahrens gestand Miloš offen, Häftlinge in Jasenovac getötet zu haben. Er zeigte keine Reue, sondern versuchte, seine Taten als notwendige Maßnahmen zur Verteidigung des kroatischen Staates zu rechtfertigen. Er sagte aus, dass die Ustaša schon lange vor 1941 Pläne zur Vernichtung der Serben ausgearbeitet hatte, und lieferte damit einen erschütternden Einblick in die systematische Planung des Völkermords. Die Beweise gegen ihn waren erdrückend: Dutzende von Überlebenden traten als Zeugen auf und schilderten die bestialischen Morde, die Folterungen und die alltägliche Grausamkeit, die Miloš zur Schau stellte.

 

Am 20. August 1948 sprach das Oberste Gericht der Volksrepublik Kroatien Ljubo Miloš in allen Anklagepunkten schuldig und verurteilte ihn zum Tode durch den Strang. Das Urteil wurde noch am selben Tag vollstreckt. Miloš, einer der grausamsten Mörder der Ustaša, war 29 Jahre alt, als er in Zagreb gehängt wurde. Sein Tod markiert das Ende eines Kapitels unvorstellbaren Leids, aber die Erinnerung an seine Taten wird niemals verblassen. Jasenovac bleibt ein Mahnmal für die Abgründe menschlicher Grausamkeit, und die Namen der Opfer, die in den Massengräbern an der Save liegen, sind ein stiller Zeuge gegen das Vergessen. Die Hinrichtung von Ljubo Miloš ist ein spätes, aber notwendiges Signal der Gerechtigkeit in einer Welt, die noch immer mit den Narben des Krieges kämpft.