„Wir haben dich nur wegen der Steuervorteile behalten“, sagten meine Eltern an meinem 25. Geburtstag #TM

Ihre Eltern haben Ihnen an Ihrem 25. Geburtstag gesagt, dass Sie nur wegen der Steuervorteile adoptiert wurden. Die Geschichte von Mira Lomann, die an diesem Abend im Restaurant Lindenhof in Heidelberg erfuhr, dass ihr ganzes Leben auf einer Lüge aufgebaut war, erschüttert Deutschland.

Mira Kellner, damals noch unter diesem Namen bekannt, saß mit 40 Gästen im Restaurant Lindenhof, als ihr Vater Klaus Kellner, ein Steuerberater, mit seinem Weinglas auf den Tisch schlug. „Wir haben dich damals nicht nur aus gutem Willen adoptiert, sondern auch wegen der Steuervorteile“, sagte er laut Augenzeugen. „400 Euro Steuerermäßigung für Adoptionen, das war eine ziemlich große Summe.

Aber du warst jeden Cent wert. “ Seine Frau Sabine Kellner ergänzte: „Mira, unsere beste Investition. “ Die Gäste lachten, niemand bemerkte, dass etwas in Mira zerbrach.

Die junge Frau hatte bereits eine Woche zuvor im Keller ihrer Eltern ein schockierendes Dokument gefunden. Neben den Fotoalben lag ein Ordner mit ihrem Namen. Darin fand sie nicht nur ihre Adoptionsurkunde, sondern auch die Original-Geburtsurkunde: Name des Kindes: Mira Lomann, geboren am 12.

März 1999 in Mannheim, Mutter Judith Lomann, Vater unbekannt. Und dann ganz unten: ein Steuerbescheid aus dem Jahr 2001, Zeile 47: Steuerermäßigung für Adoption: 5. 400 Euro.

Was folgte, war eine monatelange Recherche. Mira beantragte Akteneinsicht beim Einwohnermeldeamt in Mannheim und erhielt eine Kopie ihrer Adoptionsakte. Darin fand sie einen handgeschriebenen Brief ihrer leiblichen Mutter Judith Lomann, datiert auf Mai 2001: „Ich kann mich nicht um mein Kind kümmern.

Ich bitte darum, dass es in eine gute Familie kommt. “ Ein DNA-Test führte sie schließlich zu ihrer Tante Julia Hartmann, die ihr eröffnete, dass ihre leibliche Mutter Judith Lomann in einem Pflegeheim in Kaiserslautern lebt, schwer krank und drogenabhängig.

Die Konfrontation mit ihren Adoptiveltern eskalierte. Mira hielt ihnen vor, dass sie nur wegen der Steuervorteile adoptiert worden sei. „Ich habe die Akte gelesen.

Ich habe die Unterlagen. Ich weiß, warum Sie mich adoptiert haben“, sagte sie. Die Familie Kellner kündigte ihr daraufhin den Mietvertrag und beantragte sogar die Aufhebung der Adoption – ein Antrag, der vor dem Familiengericht Mannheim abgelehnt wurde.

Heute heißt Mira offiziell Mira Lomann, hat den Namen ihrer leiblichen Mutter angenommen und lebt in Heidelberg. Sie hat den Kontakt zu ihren Adoptiveltern abgebrochen. „Ich habe meine Familie nicht verloren.

Ich habe mich selbst gefunden“, sagt sie. Ihre leibliche Mutter Judith besucht sie regelmäßig. „Zum ersten Mal in meinem Leben fühlte ich mich wirklich zu Hause, nicht in einem Haus, sondern unter Menschen.

Die Geschichte wirft ein grelles Licht auf die Praxis der Adoption in Deutschland. Experten betonen, dass Steuervergünstigungen für Adoptionen bis 2008 üblich waren, aber niemals der alleinige Grund sein sollten. „Die Motivation der Adoptiveltern ist entscheidend“, sagt der Adoptionsrechtler Dr.

Dror Lehmann aus Heidelberg. „Wenn die finanzielle Komponente im Vordergrund steht, kann das schwerwiegende Folgen für das Kind haben. “

Mira Lomann hat ihren Frieden gefunden. An ihrem 28. Geburtstag saß sie mit ihrer leiblichen Mutter und ihrer Tante in einem Restaurant in Heidelberg.

„Ich bin endlich nach Hause zurückgekehrt“, sagt sie. Die Frage, ob ihre Adoptiveltern sie jemals wirklich geliebt haben, beantwortet sie nicht mehr. Sie lebt jetzt ihr eigenes Leben.