Am Tag nach der Hochzeit packten mein Mann und ich für die Flitterwochen, als plötzlich das Standesamt anrief.
Der Anruf schreckte uns aus dem tiefen Schlaf. In einem Moment der Glückseligkeit, in dem wir uns nur noch unserer eigenen Liebe und unserer Zukunft bewusst waren, zerschellte alles an einem einzigen Satz: “…Das sollten Sie besser persönlich sehen. Kommen Sie allein. Und sagen Sie es auf keinen Fall Ihrem Mann…”.
Im Kopf jagten sich die Fragen. Welche dunkle Nachricht würde das Standesamt uns übermitteln? Würde es um unser Ehegelöbnis, um unsere Zukunftschancen gehen? Unsere Gesichter liefen rot vor Aufregung und Angst. Wir fühlten uns wie zwei Spieler, die in der Schlussphase eines dramatischen Spiels plötzlich die Karten aus dem Deck ziehen und sich fragen, was als Nächstes passiert.
Meine Frau und ich packten schnell unsere Sachen ein und eilten zum Standesamt. Die Stewardess in uns warf sich auf die Sitzeile im Bus, um schnellstmöglich loszukommen. Der Anruf hatte uns plötzlich aus der Traumwelt herausgerissen. Unsere Zukunftsemeier zerplatzten auf einen Schlag. Wir waren unsicher, was wir erwartete, aber eins war sicher: wir mussten es erfahren.
Als wir beim Standesamt ankamen, öffnete uns der Türhüter mit besorgtem Gesicht. Unsere Angst wuchs, während wir in der Halle standen, die plötzlich wie ein Krankenzauber wirken wollte. Wir warteten auf das Würfelspiel der Schicksale, das uns unser Leben neu bestimmen würde. Würden wir auf die nächste Runde in unserem Leben zugreifen?
Wir saßen in einer abgeschiedenen Ecke des Standesamts, und die Schatten der Ziegelsteinwände schienen sich von uns zu nähern. Wir spürten in uns jenen Moment, den alle Paare kennen: den Moment, in dem sie den Ball erhaschen – ob er gefangen wird oder nicht. In diesem Moment stand unsere Zukunft im Wartestand. Die Zeit selbst schien in einer Eiseskälte zu gefrieren.
Der Beamtendiplomat im Standesamt öffnete die Tür und bat uns herein. Wir waren in die nächste Runde unseres Lebens getreten, in der wir herausfinden sollten, ob wir auf den richtigen Ball treffen oder nicht. Wir stammelten, wie ein Ehepaar, das zum ersten Mal eine Begegnung mit dem Schicksal hat. Wir versuchten, uns selbst das Unfassbare vorzustellen. Aber die Realität schien immer noch zu glauben, dass man es in dieser Welt auf Zeit abgesehen hatte.
Das standesamtliche Dokument wurde uns reicht und wir starrten darauf. Es war, wie wenn man einen Schlag mit einem Baseball-Bat erhält und das Gefühl hat, dass das Gesicht der Erde mit einem neuen Lächeln entstellt wurde. Das Schicksal hatte uns das Leben gelehrt, und das Dokument offenbarte uns eine ganze Welt von Fragen, die sich auf uns stürzten.
Mein Mann und ich blickten uns an, aber wir sagten nicht ein Wort. Das Schicksal hatte uns einen Rüffel gegeben und wir wussten, dass wir nicht den richtigen Ball erwischt hatten. Unsere Welt zerplatzte in Stücke. Was nun? Würde sich alles in unserer Zukunft zum Besseren wenden? Die Frage stand noch immer da, als wir in die Dunkelheit zurückglitten.
Das Schicksal schien plötzlich unsere Seele gelehrt zu haben. Wir mussten in die neue Runde gehen und das Schicksal selbst herauszufinden, ob wir auf die nächste Runde zugreifen durften.
Der Abend schien still und dunkel. Das standesamtliche Dokument, das wir in der Hand hielten, schien uns zu sagen: “Es tut uns leid, aber ich bin nicht der richtige Ball für euch. Ihr musst weiterkommen und neue Ziele erreichen.”
Wir schlichen uns durch die Dunkelheit, ohne ein Wort über die Zukunft zu reden.
Die Dunkelheit schien uns ein Schreiben zu geben, in dem die Zukunft geschrieben stand. Die Antwort auf die Frage, wie weiter, würde wir später im Dunkeln der Dunklem schulden.
So war unsere Zukunft – gefangen auf einem Rettungsstuhl. Die Frage über unser Ehegelöbnis stand noch da, in der Luft, im Schicksal und in unserer Seele.
Ein letzter Blick, das Dokument noch einmal betrachtet und der Blick in die Zukunft fällt. In diesem Moment ist alles, alles, ALLES klar.
Es ist zu spät, aber es ist nie zu spät.
Die Stunde der Wahrheit hat uns ein Buch gegeben, in das wir unsere Zukunft schreiben müssen. Es bleibt nur noch, zu sehen, ob wir die richtigen Buchstaben auswählen, um unsere Geschichte zu schreiben.
Wir sind im Ruderboot unserer Zukunft. Das Wasser schüttelt uns. Wir müssen es überleben.
Alles war klar. Aber warum war Alles nicht klar?