Der Moment, in dem meine Tochter zitternd ans Telefon rief, ist wie ein Donnerschlag in mein Leben eingehauen. 
“Mama… Tante hat mich mit der Fernbedienung geschlagen”, flüsterte sie. Die Worte kamen wie ein Blitz aus heiterem Himmel, und ich erstarrte vor Entsetzen. Dreißig Minuten entfernt von unserem Zuhause, fand ich mich in einer Welt wieder, in der die Liebe und der Schutz meiner Familie in Gefahr schienen.
In diesem Moment wusste ich, dass ich nicht zögern durfte. Die Stimme meiner Tochter, noch nie so zitternd, noch nie so voller Angst, hallte in meinem Ohr und rief mich zu Handlungsrausch. Ich rief Oberfeldwebel Bergmann an, der mich beruhigte und sagte, er sei bereits auf dem Weg. Ich wartete mit angehaltenem Atem auf seine Ankunft, während mir die Schreie meiner Tochter und das Krachen im Hintergrund in den Ohren brannten.
Als das Telefonlicht im Flur auffließ, war ich in einer Welt von Grau und Rot. Das Blut pulsierte in meinen Adern, und das Vertrauen, das ich in meine eigene Mutter gesetzt hatte, begann, sich aufzulösen wie Eis in der Sonne. Wollte sie tatsächlich meine Tochter schlagen, noch im selben Moment, in dem sie mich anrief? Die Frage hing wie ein Schatten im Raum, bis Oberfeldwebel Bergmann meine Tür aufstieß.
Ich schloss die Augen, als der Bergmann die Schreie meines Kindes in den Ohren hatte und die Szene auf der anderen Seite der Tür wie ein Kino spielte. Dann hörte ich ihn sagen: “Ich komme, ich bin da”, und der Bergmann stürmte in das Innere der Wohnung. In dieser Sekunde fühlte ich mich wie ein Zuschauer bei einem Baseball-Spiel: entsetzt, aber fasziniert, weil ich nicht wusste, was als Nächstes passieren würde.
Mit jeder Sekunde, während ich den Bergmann in die Wohnung folgen sah, stieg mein Entsetzen. Was mochte er dort finden? Mein Herz schlug als ein Hammer auf meinem Körper, während die Erinnerung an jene schmerzhafte Wahrheit in meinem Kopf pulsierte. Ich kannte die Tante schon lange, seitdem ich ein kleines Mädchen war. Wir lachten und spielten zusammen, und ich dachte immer, ich könnte ihr blind vertrauen.
Das Telefon, das immer in Reichweite war, klemmte sich in meine Hände hinein, während ich den Bergmann in die andere Welt blickte. Als ich mich wieder in meine eigenen Schuh fühlte, sah ich die Tante vor mir. Unsere Augen waren so nahe, aber die Liebe zwischen uns, die wir einst kannten, war verschwunden. In dieser Sekunde erkannte ich, dass das Vertrauen, das ich ihr zugetraut hatte, nur ein Trugschluss war.
Die Geschichte meines Lebens stand plötzlich vor mir, und ich sah, dass ich mich getäuscht hatte. Ich hatte immer dachte, meine Familie sei ein Hafen der Sicherheit und Liebe. Aber jetzt, in diesem Moment, wusste ich, dass nicht ganz. Der Bergmann, mit dem kalten Gesicht und der versteinerten Miene, stand zwischen mir und der Tante. Er sah mich mit demselben kalten Augen an wie ich jetzt. Unsere Blicke trafen sich und wir starrten uns an wie zwei Gegner auf dem Feld eines Baseball-Spiels. Keiner von uns gab nach, aber ich kannte mich selbst nicht mehr.
Wenn ich heute noch zurückdenke an jenen Moment, dann denke ich, das war der Beginn einer langen, harten und bitteren Nacht. Eine Nacht, von der ich nie wieder loskommen werde. Eine Nacht, die meine Welt ins Uferlose schlagen würde. In dieser Nacht wussten weder der Bergmann noch ich, was als Nächstes passieren würde. Aber ich wusste eines: in meiner Welt war plötzlich alles anders. Und so stand ich da, mit dem Telefon in den Händen, während mein Leben, unsere Familie und unser Vertrauen vor laufenden Augen zersplitterten wie Glassplitter auf dem Baseball-Feld.
Ich kannte die Tante schon lange vor dieser Nacht, als unsere Augen wie zwei Gegner zufuhren und uns der Bergmann auseinanderbrach. Die Nacht war noch nicht zu Ende. Aber ich wusste, sie würde mich verändern wie ein Baseball-Feld, das von den Fluten des Sturms überschwemmt wurde. Und so sah ich mich selbst in diesem Moment. Ich sah, dass ich immer noch die Frage in mir trug: “Wozu ist das Leben? Was sind Liebe und Vertrauen?”
Hier endet meine Geschichte. Aber in der Erinnerung bleibt sie bestehen. Wie ein Baseball-Spiel, das niemals vergessen wird. Als die Liebe und das Trauma in unsere Welt traten und das Leben uns in die Augen sah. Ich sah es allein, aber ich wusste, ich war nicht allein. Aber ich bin. Und das ist mein Baseball-Spiel. Und so sagt mein Herz: “Alles was ich hatte, ist weg. Aber ich bin nicht. Ich bin noch da, und ich kämpfe weiter. Für Liebe. Für Vertrauen. Für das Baseball-Spiel, das wir alle spielen.”