DIE „HINKENDE NAZI-RÄCHERIN“ — DIE FRAU MIT DEM KLUMPFUSS, DIE DER GESTAPO BEIM FOLTERN HALF… UND DANN 11 MÄNNER MIT EINEM FINGERSCHNIPPEN IN DEN TOD SCHICKTE

 

Mai 1945.
Die kleine tschechische Stadt Třešť versinkt im Chaos, während das Dritte Reich zusammenbricht.

Deutsche Fahnen werden heruntergerissen.

Tschechoslowakische Flaggen wehen plötzlich über dem Rathaus.

Wütende Einwohner stürmen die Wohnungen deutscher Familien, die sie jahrelang als Nazi-Kollaborateure betrachtet haben.

In einer dieser Wohnungen steht eine junge Frau wie erstarrt.

Vor ihren Augen verwüsten Nachbarn die Wohnung ihrer Familie.

Ihr Vater wird mit dem Tod bedroht.

Ihre Mutter mit Vergewaltigung.

Geld, Schmuck und persönliche Gegenstände verschwinden, während Möbel zerschlagen werden.

Die junge Frau heißt Herta Kašparová.

Und nur zwei Tage später wird sie angeblich dabei helfen, 11 Männer zum Tode zu verurteilen.

DAS MÄDCHEN, DAS SICH IHR LEBEN LANG ABGELEHNT FÜHLTE

Vor dem Krieg beschrieben Freunde und Klassenkameraden Herta als freundlich, attraktiv und ruhig.

Doch sie trug eine tiefe Unsicherheit in sich.

Sie wurde mit einem Klumpfuß geboren.

Nach einer Operation blieb ein Bein sichtbar dünner, sodass sie hinkte.

Laut späteren Aussagen fühlte sie sich von Männern in der überwiegend tschechischen Stadt oft zurückgewiesen.

Mit den Jahren sollen sich Bitterkeit und Wut in ihr angestaut haben.

Gleichzeitig begann ihre Familie, sich immer stärker mit dem Deutschtum und später mit dem Nationalsozialismus zu identifizieren.

Ihr Vater trat der NSDAP bei.

Er stellte ein Bild Adolf Hitlers auf seinen Schreibtisch.

Und brachte ihm angeblich jeden Tag frische Blumen.

DIE JUNGE FRAU, DIE TEIL DER GESTAPO-MASCHINE WURDE

Weil Herta fließend Deutsch und Tschechisch sprach, wurde sie nach der Besetzung schnell für die Nazis interessant.

1942 begann sie bei der Kriminalpolizei zu arbeiten, die eng mit dem NS-Unterdrückungsapparat verbunden war.

Zunächst führte sie Karteien und übersetzte Verhöre.

Doch nach und nach sah sie Dinge, die sie für immer verändern sollten.

Schläge.

Folter.

Misshandlungen von Gefangenen.

Deutsche Ermittler, die Ochsenziemer, Draht und Gewalt einsetzten, um Geständnisse zu erzwingen.

Anfangs wurde Herta während solcher Szenen noch aus dem Raum geschickt.

Später blieb sie dort und sah alles mit an.

Ihre Mutter sagte nach dem Krieg aus, Herta habe sich in dieser Zeit völlig verändert.

Aus dem ruhigen Mädchen sei eine harte und brutalisierte Frau geworden.

DER TAG, AN DEM DIE STADT SICH GEGEN DIE DEUTSCHEN WANDTE

Am 5. Mai 1945 erreichten Nachrichten über den Prager Aufstand die Stadt Třešť.

Sofort erhoben sich viele Einwohner gegen die deutschen Bewohner.

Waffen wurden beschlagnahmt.

Deutsche verhaftet.

Wohnungen durchsucht.

Eigentum konfisziert — als Vergeltung für Jahre der Besatzung.

Am selben Abend drang eine Menschenmenge in die Wohnung der Familie Kašpar ein.

Herta musste hilflos zusehen, wie ihre Eltern gedemütigt und ihre Wohnung zerstört wurde.

Doch die Geschichte war noch nicht vorbei.

DAS FINGERSCHNIPPEN, DAS MÄNNER IN DEN TOD SCHICKTE

Nur zwei Tage später kehrten deutsche Soldaten und Gestapobeamte aus dem nahegelegenen Jihlava zurück, um den Aufstand niederzuschlagen.

Sofort begannen Erschießungen.

13 Menschen wurden als Warnung getötet.

Dann nahmen die Nazis Geiseln und suchten nach den Verantwortlichen für die Verhaftung deutscher Einwohner.

Da Herta einige der Männer erkannte, die an der Durchsuchung ihrer Wohnung beteiligt gewesen waren, baten die Gestapobeamten sie um Identifizierung.

Zeugen behaupteten später, sie habe die Männer mit einem Fingerschnippen ausgewählt.

Einen nach dem anderen.

Insgesamt elf Männer.

Zehn von ihnen wurden kurz darauf im Hof des Rathauses erschossen.

Der elfte war bereits mit einer anderen Gruppe Gefangener getötet worden.

Später kursierten jahrzehntelang Gerüchte:

Manche glaubten, Herta habe nicht nur die Männer ausgewählt, die ihre Wohnung durchsucht hatten…

…sondern auch jene, die sich früher über ihr Hinken lustig gemacht oder sie zurückgewiesen hatten.

DIE MEISTGEHASSTE FRAU VON TŘEŠŤ

Insgesamt wurden bei den deutschen Vergeltungsmaßnahmen 33 Männer erschossen.

Der jüngste war erst 17 Jahre alt.

Als Deutschland wenige Tage später endgültig zusammenbrach, floh Herta nach Österreich.

Dort arbeitete sie zunächst als Hausangestellte und später in der Küche für sowjetische Offiziere.

Doch im Februar 1946 wurde sie erkannt, verhaftet und in die Tschechoslowakei zurückgebracht.

DER PROZESS, DER NUR STUNDEN DAUERTE

Vor Gericht behauptete Herta, sie habe nicht gewusst, dass die von ihr ausgewählten Männer erschossen würden.

Kaum jemand glaubte ihr.

Das Gericht verurteilte sie wegen Zusammenarbeit mit den Nazis und Verbrechen gegen das tschechische Volk zum Tode durch den Strang.

Die Hinrichtung sollte nur zwei Stunden nach dem Urteil stattfinden.

Herta flehte um mehr Zeit, um ihren Bruder noch einmal sehen zu dürfen.

Das Gericht gewährte ihr eine zusätzliche Stunde.

DIE HINRICHTUNG ALS ÖFFENTLICHES SPEKTAKEL

Am 13. September 1946 versammelten sich Tausende Menschen, um Herta Kašparovás Hinrichtung mitzuerleben.

Sogar Schulkinder sollen zur öffentlichen Hinrichtung gebracht worden sein.

Weil so viele Menschen den Tod der berüchtigtsten Nazi-Kollaborateurin der Stadt sehen wollten, mussten Eintrittskarten verkauft werden.

Die Hinrichtung wirkte weniger wie ein juristischer Akt…

…und mehr wie ein öffentliches Ritual der Vergeltung.

Herta Kašparová war erst 23 Jahre alt, als sich die Schlinge um ihren Hals zuzog.

Und Berichten zufolge vergoss niemand eine Träne für sie.