
Während Europa auf Adolf Hitler blickte…
brannte Asien bereits lichterloh.
Lange bevor der Zweite Weltkrieg offiziell 1939 begann, versanken ganze chinesische Städte bereits in Invasion, biologischer Kriegsführung, Massenerschießungen und industriell organisierter Gewalt des japanischen Kaiserreichs.
Doch der Großteil der Welt schaute kaum hin.
Westliche Zeitungen füllten ihre Titelseiten mit Europa, während Millionen Chinesen hinter einer Mauer des Schweigens verschwanden.
Für China begann der Krieg nicht 1939.
Er begann 1931.
Und über 14 Jahre hinweg stürzte das Land in eine der tödlichsten Katastrophen der Menschheitsgeschichte.
DIE INVASION, DIE ASIEN FÜR IMMER VERÄNDERTE
Alles begann am 18. September 1931.
Ein kleiner Abschnitt der südmandschurischen Eisenbahn nahe Mukden wurde beschädigt — ein Vorfall, der als Mukden-Zwischenfall bekannt wurde. Die Explosion verursachte kaum Schäden, doch Japan beschuldigte sofort chinesische Saboteure.
Die Anschuldigung wurde zum perfekten Vorwand.
Innerhalb weniger Tage marschierten japanische Truppen in die Mandschurei ein — eine rohstoffreiche Region voller Kohle, Eisen, fruchtbarer Böden und strategischer Eisenbahnlinien.
China war politisch zerrissen und schwach. Regionale Warlords kämpften gegeneinander, während Chiang Kai-shek sich stärker auf die Bekämpfung chinesischer Kommunisten konzentrierte als auf Japan.
Die japanischen Truppen überrannten die Mandschurei fast widerstandslos.
Der Völkerbund reagierte mit Berichten, Papieren und diplomatischen Sitzungen…
…aber ohne echte Konsequenzen.
Japan erkannte etwas Entscheidendes:
Niemand würde sie aufhalten.
DIE WELT BLICKTE NACH EUROPA — NICHT NACH ASIEN
Während Japan expandierte, blieb der Westen abgelenkt.
Großbritannien fürchtete Nazi-Deutschland.
Die USA steckten in der Weltwirtschaftskrise.
Frankreich fixierte sich auf Europa.
Viele westliche Redaktionen behandelten die Zerstörung Chinas wie einen fernen regionalen Konflikt ohne globale Bedeutung.
Selbst als Japan den Marionettenstaat Mandschukuo errichtete und den letzten chinesischen Kaiser Puyi als Symbolfigur installierte, blieb die internationale Reaktion schwach.
Das Schweigen wurde zur Einladung für weitere Expansion.
DER ZWISCHENFALL, DER DEN TOTALEN KRIEG AUSLÖSTE
Am 7. Juli 1937 führten japanische Truppen Militärübungen nahe der Marco-Polo-Brücke bei Peking durch.
Während des Manövers verschwand kurzzeitig ein japanischer Soldat.
Japanische Offiziere verlangten sofort Zugang zu einem nahegelegenen chinesischen Dorf. Die chinesischen Truppen verweigerten den Zutritt.
Dann fielen die ersten Schüsse.
Der vermisste Soldat tauchte kurze Zeit später unversehrt wieder auf.
Doch die Kriegsmaschine war bereits angelaufen.
Japan begann die großangelegte Invasion Chinas.
SHANGHAI WIRD ZUM SCHLACHTHAUS
Chiang Kai-shek entschied sich zum Widerstand.
Die Schlacht um Shanghai entwickelte sich zum Albtraum.
Chinesische Elitedivisionen, ausgebildet von deutschen Militärberatern, kämpften Häuserblock für Häuserblock gegen japanische Marinesoldaten, Panzer, Kriegsschiffe, Bomber und schwere Artillerie.
Ganze Stadtviertel verschwanden unter Bombardements.
Gebäude stürzten ein, Straßen versanken in Rauch, Blut und brennenden Trümmern.
Die chinesischen Verluste waren katastrophal.
Rund 200.000 chinesische Soldaten starben innerhalb von nur drei Monaten.
Doch der japanische Vormarsch ging weiter.
Und im Dezember 1937 marschierte die Kaiserliche Armee auf Chinas Hauptstadt zu:
Nanjing.
NANJING: DIE STADT, DIE ZUR HÖLLE WURDE
Chiang Kai-shek evakuierte die Regierung und zog sich ins Landesinnere zurück.
Nanjing blieb schutzlos zurück.
Japanische Truppen umzingelten die Stadt, schnitten alle Fluchtwege ab und schlossen hunderttausende Zivilisten ein.
Dann begannen die Massaker.
Sechs Wochen lang versank Nanjing in systematischem Terror.
Historiker schätzen, dass zwischen 200.000 und 300.000 Zivilisten und Kriegsgefangene ermordet wurden.
Japanische Soldaten trieben chinesische Männer zusammen, fesselten ihre Hände mit Draht und erschossen sie in Massen am Ufer des Yangtse-Flusses.
Maschinengewehre mähten ganze Gruppen nieder.
Überlebende wurden mit Bajonetten getötet.
Tausende Leichen trieben im Fluss davon.
Einige Offiziere nutzten die Exekutionen Berichten zufolge sogar als Übung für Schwerttests.
Doch die Gewalt endete nicht bei den Tötungen.
DER SYSTEMATISCHE TERROR GEGEN FRAUEN
Die Besetzung Nanjings entfesselte eine der schlimmsten Wellen sexueller Gewalt der modernen Kriegsgeschichte.
Tausende Frauen wurden vergewaltigt.
Das Alter spielte keine Rolle.
Unter den Opfern waren Kinder und alte Frauen.
Gruppen von Soldaten missbrauchten die Opfer kollektiv und ermordeten viele anschließend, um Zeugen zu beseitigen.
Familien mussten die Verbrechen oft mit ansehen.
Sogar einige japanische Offiziere zeigten sich später schockiert über den völligen Zusammenbruch der Disziplin innerhalb der Stadt.
DER NAZI, DER CHINESISCHE ZIVILISTEN RETTEN WOLLTE
Mitten im Chaos trat eine ungewöhnliche Figur hervor:
John Rabe — deutscher Geschäftsmann und Mitglied der NSDAP.
Rabe half beim Aufbau der sogenannten Nanjing Safety Zone, eines internationalen Schutzgebiets von nur drei Quadratkilometern Größe.
Dort drängten sich etwa 250.000 Menschen zusammen.
Menschen schliefen auf Gehwegen, in Gärten und Hauseingängen.
Hunger wurde allgegenwärtig.
Trotzdem drangen japanische Soldaten nachts weiterhin in die Zone ein und verschleppten Zivilisten.
Rabe dokumentierte die Verbrechen in Tagebüchern, die später zu den wichtigsten Quellen über das Massaker wurden.
EINHEIT 731: DAS GEHEIME LABOR DES TODES
Doch der Horror in China erreichte noch dunklere Dimensionen.
Nahe Harbin in der besetzten Mandschurei errichtete Japan heimlich eine der grausamsten Forschungseinrichtungen des 20. Jahrhunderts:
Einheit 731.
Offiziell galt der Komplex als Wasseraufbereitungsanlage.
In Wahrheit war es ein Zentrum biologischer Kriegsführung, in dem Menschen als Versuchsmaterial benutzt wurden.
Unter den Opfern befanden sich chinesische Zivilisten, politische Gefangene, Frauen und Kinder.
Forscher infizierten Menschen gezielt mit Pest, Cholera, Milzbrand, Typhus und anderen tödlichen Krankheiten.
Gefangene wurden Frostexperimenten ausgesetzt, bis ihre Gliedmaßen vollständig gefroren waren.
Ärzte schlugen anschließend mit Metallstangen auf die vereisten Arme, um Gewebeschäden zu untersuchen.
Andere Opfer wurden ohne Betäubung lebendig aufgeschnitten, damit Wissenschaftler Organe in Echtzeit beobachten konnten.
Die Gefangenen wurden nicht Menschen genannt.
Sie hießen „Maruta“ — Holzklötze.
JAPANS BIOLOGISCHER KRIEG GEGEN CHINA
Einheit 731 blieb nicht auf Labore beschränkt.
Japanische Truppen machten Krankheiten selbst zur Waffe.
Flugzeuge warfen pestverseuchte Flöhe und kontaminierte Materialien über chinesischen Städten und Feldern ab.
Spezielle Keramikbomben verbreiteten Cholera und Milzbrand unter der Zivilbevölkerung.
Ganze Regionen wurden von Epidemien verwüstet.
Tausende starben, während medizinische Systeme kollabierten.
Das Ziel war nicht nur militärische Zerstörung.
Es war psychologischer Terror.
Angst selbst wurde zur Waffe.
CHINA VERSINKT IM CHAOS
Währenddessen zerfiel China auch von innen.
Nationalisten und Kommunisten kämpften offiziell gemeinsam gegen Japan — bereiteten sich aber gleichzeitig heimlich auf den späteren Bürgerkrieg vor.
Dörfer gerieten zwischen die Fronten.
Ein Bauer, der kommunistische Partisanen unterstützte, riskierte die Hinrichtung durch nationalistische Soldaten.
Wer den Partisanen Hilfe verweigerte, konnte von den Kommunisten getötet werden.
Das Land versank in Hunger, Paranoia und Gewalt.
DER GEHEIME DEAL, DER KRIEGSVERBRECHER FREI LIESS
Als Japan 1945 kapitulierte, erwarteten viele Gerechtigkeit.
Einige Militärführer wurden in den Tokioter Prozessen verurteilt. General Iwane Matsui, der mit den Verbrechen in Nanjing in Verbindung gebracht wurde, wurde hingerichtet.
Doch viele Täter entkamen.
Die USA gewährten führenden Mitgliedern der Einheit 731 heimlich Immunität — im Austausch gegen ihre Forschungsergebnisse zur biologischen Kriegsführung.
Statt Gefängniszellen erhielten einige ehemalige Forscher Karrieren an Universitäten, Pharmaunternehmen und medizinischen Einrichtungen.
Shiro Ishii — der Kopf hinter Einheit 731 — starb 1959 als freier Mann.
DER KRIEG, DER NIE WIRKLICH ENDETE
Als Japan schließlich kapitulierte, lag China in Trümmern.
Zwischen 15 und 20 Millionen Chinesen waren tot.
Eisenbahnlinien waren zerstört.
Fabriken ausgebrannt.
Ganze Städte ausgelöscht.
Und fast sofort begann der chinesische Bürgerkrieg erneut.
Die Kommunisten kontrollierten riesige ländliche Gebiete. Die Nationalisten hielten die Großstädte.
Vier Jahre später rief Mao Zedong die Volksrepublik China aus.
Doch unter dem neuen Staat blieben die Narben eines der verheerendsten Kriege der modernen Geschichte bestehen — einer Katastrophe, bei der Millionen starben, während die Welt woanders hinsah.