Hinrichtung des Nazi-“Henkers von Mauthausen”, der mit seinen begangenen Morden prahlte

Landsberg am Lech – Im Kriegsverbrechergefängnis Landsberg ist am heutigen Dienstag der ehemalige SS-Unterscharführer Josef Riegler hingerichtet worden. Das Urteil des Internationalen Militärtribunals von Dachau wurde am frühen Morgen vollstreckt. Riegler, einer der berüchtigtsten Henker des Konzentrationslagers Mauthausen, war für unzählige Morde und grausame Misshandlungen an Häftlingen verantwortlich.

 

Der 1922 in Linz geborene Österreicher hatte sich im April 1938, kurz nach dem „Anschluss“, der SS angeschlossen. Nach Einsätzen in Polen, Norwegen und an der Ostfront wurde er im Februar 1942 in das KZ Mauthausen versetzt. Dort stieg er schnell zum Blockwart auf und erwarb sich einen Ruf besonderer Brutaltät.

 

Zeugenaussagen und Prozessunterlagen belegen, dass Riegler Häftlinge willkürlich folterte und erschlug. Bei einer Gelegenheit prügelte er Überlebende eines Transports zu Tode, die eine Nacht lang nackt auf dem Appellplatz hatten stehen müssen. Ein anderes Mal erschlug er einen wehrlosen spanischen Häftling mit einem Knüppel.

 

Seine direkte Beteiligung an organisierten Mordaktionen ist ebenfalls dokumentiert. Im November 1942 wirkte er bei der Hinrichtung von 26 jugoslawischen Gefangenen mit. Zwischen 1943 und 1945 beaufsichtigte er zudem 10 bis 15 Erhängungen und bereitete Dutzende weitere Exekutionen vor.

Eine besonders verheerende Rolle spielte Riegler bei der sogenannten „Mühlviertler Hasenjagd“ im Februar 1945. Nach einem Massenausbruch sowjetischer Offiziere aus Mauthausen beteiligte er sich an der dreiwöchigen Jagd auf die Geflüchteten. Der Befehl der SS lautete, niemanden lebend zurückzubringen.

 

Riegler war aktiv an der Erschießung gefangener Häftlinge beteiligt. Laut Zeugen kehrte er häufig betrunken von diesen Einsätzen zurück und prahlte mit den begangenen Morden. Diese mörderische Aktion forderte nahezu alle Ausbrecher das Leben, nur elf Personen überlebten.

Nach der Befreiung des Lagers durch US-Truppen am 5. Mai 1945 konnte Riegler zunächst untertauchen. Er wurde jedoch am 13. Mai 1945 in Wöcklabruck von der US-Armee festgenommen und in das Internierungslager Dachau überstellt. Dort begann im März 1946 der Mauthausen-Hauptprozess.

 

Vor dem Tribunal gestand Riegler, die Hinrichtung von 80 bis 100 Gefangenen vorbereitet und an der Erschießung der 26 Jugoslawen teilgenommen zu haben. Er räumte ein, dem Befehl zur Tötung der nach dem Massenausbruch gefassten sowjetischen Offiziere Folge geleistet zu haben.

Das Gericht verurteilte ihn am 13. Mai 1946 zum Tode durch den Strang. Ein Gnadengesuch seiner Eltern, Josef und Katharina Riegler, wurde abgelehnt. Die Richter sahen in den begangenen Verbrechen keine mildernden Umstände.

 

Die Hinrichtung markiert das Ende eines der grausamsten Karrieren innerhalb der SS-Wachmannschaft von Mauthausen. Das Lager nahe Linz galt als eines der brutalsten im gesamten NS-System, geprägt von exzessiver Gewalt, tödlicher Zwangsarbeit und systematischem Massenmord.

 

Schätzungsweise 197.000 Menschen durchliefen das Lager und seine Außenstellen zwischen 1938 und 1945. Mindestens 95.000 von ihnen fanden dort den Tod, über 14.000 waren jüdischer Herkunft. Die Gerechtigkeit hat Josef Riegler nun eingeholt.