Ein dramatischer Fall aus der Vergangenheit hat die Gemüter erregt: Andreas Lake, ein 52-jähriger Mann aus Leipzig, sucht seit 28 Jahren verzweifelt nach seinem Sohn Marco, der nach einem gescheiterten Fluchtversuch aus der DDR zur Adoption freigegeben wurde. Am 10. April 1984 versuchte Andreas mit seiner schwangeren Frau Ilona, die DDR zu verlassen, um ihrem Sohn ein Leben in Freiheit zu ermöglichen. Doch sie wurden gefasst, Andreas wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt und seine Frau gab ihren Sohn zur Adoption frei, während Andreas im Gefängnis saß.
Die Trennung von seinem Kind hat Andreas nie losgelassen. Er hat nie die Gelegenheit gehabt, Marco kennenzulernen oder ihn in den Arm zu nehmen. “Ich liebe ihn die ganzen Jahre, jeden Tag. Er fehlt”, sagt Andreas mit gebrochener Stimme. Trotz unzähliger Briefe an das Jugendamt und verzweifelter Suchen bleibt Marco verschollen. Andreas beschreibt die quälende Hoffnung, in den Gesichtern der spielenden Jungen in der Umgebung seinen Sohn zu erkennen.
Die Suche nach Marco ist nicht nur eine persönliche Angelegenheit, sondern wirft auch ein Schlaglicht auf die dunkle Geschichte der Zwangsadoptionen in der DDR. Julia Leischik, die die Geschichte von Andreas und Marco aufgreift, besucht das ehemalige Kinderheim, in dem Marco untergebracht war. Dort erfährt sie, dass Marco 1985 zur Adoption freigegeben wurde, doch die genauen Umstände bleiben im Dunkeln.
Andreas’ Mutter, Rosemarie, die ihren Enkel in den ersten Monaten nach der Geburt besuchen konnte, berichtet von ihrem verzweifelten Kampf, die Vormundschaft zu übernehmen. Ihre Bemühungen, Marco zu retten, scheiterten an der bürokratischen Mauer der DDR. “Der Staat hat unser Kind geraubt”, sagt sie und beschreibt den Schmerz, der die Familie seit Jahrzehnten verfolgt.
Die Suche nach Marco bleibt weiterhin dringend. “Wenn du das siehst, ich bin’s dein Papa. Bitte melde dich”, appelliert Andreas direkt an seinen Sohn. Die Hoffnung auf ein Wiedersehen ist der einzige Lichtblick in einem von Trauer und Verlust geprägten Leben. Die Geschichte von Andreas und Marco ist ein eindringliches Mahnmal für die unzähligen Familien, die unter dem repressiven Regime der DDR gelitten haben. Die Aufarbeitung dieser dunklen Vergangenheit ist noch lange nicht abgeschlossen, und die Suche nach Marco könnte der Schlüssel zu einer längst überfälligen Heilung sein.